Montenegro & Dubrovnik

Nach dem Grenzübergang fuhren wir entlang von Stauseen und hohen Bergen ins Landesinnere von Montenegro. Die Infrastruktur ist wesentlich besser als in Bosnien & Herzegowina und die Häuser gepflegt, farbig und mit steilen Dreiecksdächern. Wir fuhren entlang der Panoramastrasse 1 mit dem Ziel Durmitor Nationalpark. Unsere ersten Eindrücke von Montenegro waren: unendliche Weiten, bergige Landschaft und viiiiiel Schnee. Gewisse vom Navi angezeigten Strassen waren aufgrund der Schneemengen inexistent. Als wir uns Zabljak und somit meterhohem Schnee näherten, beobachteten wir viele umgeknickte Verkehrsschilder, welche der Schneeräumung zum Opfer fielen. Zabljak ist ein bekannter Skiort in Montenegro und die Tür zum Durmitor Nationalpark sowie zum Skigebiet Savin Kuk. Das kleine Dorf beherbergt diverse Hotels, Läden, Restaurants und eine Touristinfo. Wir besuchten den Durmitor Nationalpark – oder besser gesagt den Bereich, der davon aktuell geöffnet war. Der im Sommer tiefblaue See war komplett zugefroren und mit Schnee überdeckt. Die Landschaft ähnelt sehr stark jener von Kanada bei Lake Louise. Grüne Wälder, hohe schneebedeckte Berge und Seen. Gemütlich unternahmen wir einen kleinen Spaziergang im Nationalpark – unsere Schneeschuhe blieben dieses Mal im Frosch.

Die Anfahrt zum einzigen geöffneten Campingplatz – gemäss Auskunft der Touristinfo – erforderte den Einsatz der Differentialsperre sowie der Untersetzung – aber unser Super-Frog und der Fahrer Stefan haben die Strecke mit Bravour gemeistert. Die beschwerliche Anfahrt wurde nicht belohnt, der als geöffnet gemeldete Campingplatz war geschlossen und so verbrachten wir die Nacht auf dem Parkplatz des Skigebiets von Savin Kuk. Allgemein ist es schwierig, verlässliche Informationen über die Öffnungszeiten im Internet ausfindig zu machen. Die Webseiten sowie der Google MyBusiness Eintrag werden meist nicht nachgeführt. Die Skilifte von Savin Kuk führen die Besucher auf 2000 m.ü.M. Wir liessen es noch offen, ob wir uns am nächsten Morgen auch auf die Ski’s wagen würden. Die Skimiete erfolgt hier ganz pragmatisch aus dem Kofferraum des Anbieters. Nach einer ruhigen Nacht staunten wir nicht schlecht, als wir am nächsten Morgen die Türe öffneten. Da hat sich doch ein zweiter Camper aus der Schweiz zu uns gesellt. Im Gegensatz zu den anderen Schweizern liessen wir es aber dann sein mit Skifahren und starteten Richtung Tarabrücke.

Tara Brücke

Unsere Weiterfahrt auf der Panorama Road Nr. 1 führte uns durch die sehr eindrückliche Moraca Schlucht. Die Strasse schlängelt sich entlang des gleichnamigen Flusses und steil hinaufragenden Felswänden (teilweise 1300m hoch). Die unbeleuchteten Tunnels auf dieser kurvenreichen Strecke bieten ein weiteres Highlight und eine fahrerische Challenge. Leider wird diese fantastische Natur sehr oft begleitet durch Unmengen von Müll entlang dem Strassenrand. Für uns unverständlich, dass eine solch einmalige Landschaft zugemüllt und verdreckt wird.

Die nächste Übernachtung war in Podgorica und zu unserem Erstaunen wurden wir auf dem Stellplatz mit einem „Ja Grüeziwohl“ begrüsst! Der Eigentümer hatte liechtensteinische Wurzeln und sprach perfekt Deutsch. Der angekündigte Regen liess nicht lange auf sich warten und leider sah die Wetterprognose für die kommenden Tage nicht besser aus. Am nächsten Morgen liessen wir es uns aber nicht nehmen zu den Niagara-Fällen bei Podgorica zu fahren. Diese Wasserfälle lassen sich allerdings nicht mit den Niagara-Fällen von Nordamerika vergleichen. Beeindruckend ist, dass sich diese Schlucht mit den Wasserfällen in mitten eines flachen Weinanbaugebiets am Stadtrand befindet und von Weitem praktisch unsichtbar ist.

Vorbei am Skadar See führte unser Weg ans Meer zu einem traumhaften Platz in einer einsamen Bucht. Dort trafen wir Reisende aus Deutschland mit einem ähnlichen Gefährt (MB 911) wie wir und einer ähnlichen Route. Wer weiss, ob wir uns weiter südlich dann wieder begegnen :-). Der Regen an der Küste liess glücklicherweise auf sich warten und so genossen wir Strandspaziergänge, Kreativstunden am Meer und einfach die Seele baumeln lassen und die Wellen und den Sonnenuntergang beobachten. Am nächsten Tag kam Regen und Sturm auf und wir nutzten diese Gegebenheiten zur Erledigung diverser administrativer Arbeiten. Eh wir uns versahen, standen wir drei Nächte direkt am Meer bevor wir die dreistündige Fahrt nach Dubrovnik (Kroatien) in Angriff nahmen.

Die Grenzformalitäten waren schnell erledigt und bereits 30 Minuten später fuhren wir auf der Küstenstrasse mit steil abfallenden Klippen in Dubrovnik ein. Unser Stellplatz fanden wir an dieser Transitstrasse – praktisch zur Besichtigung von Dubrovnik und mit einem wundervollen Blick auf die Stadt und dessen Küste. Die Stadtlichter leuchteten im Dunkeln und wir machten uns auf den Weg in die Stadt. 549 Treppenstufen runter und später dann auch wieder hoch. Dubrovnik die Stadt der Treppen – unsere Fitness konnten wir mehr als unter Beweis stellen. Der Besuch von Dubrovnik im Februar hat den Vorteil von sehr wenig Touristen. Die Schönheit der Stadt und die eindrücklichen Gebäude kommen voll und ganz zur Geltung. Wir verbrachten einen gemütlichen Abend inklusive Nachtessen in der Stadt und freuten uns auf das Sightseeing am kommenden Tag.

Dubrovnik at night

Sonnenschein lockte uns zur Stadtbesichtigung – der Rundgang auf den Stadtmauern stand als Erstes auf unserem Programm. Von den Stadtmauern aus genossen wir den Blick auf die Stadt, in die Gärten der Bewohner, auf die Küste und sogar auf unseren Frosch. Dieser war gut zu sehen hoch oben beim Stellplatz! Ein Kurzabstecher ins Maritime Museum und zur Festung Lovrjenac komplettierten unsere Stadtbesichtigung. Die Temperaturen stiegen und die Gelateria in der Stadt kam zum richtigen Zeitpunkt und wir so zu einem Gelato Mitte Februar. Die Stadt Dubrovnik, welche auf der Liste der UNESCO Weltkulturerbe geführt wird, ist wirklich eine Reise wert. Wer an der Adria entlang gegen Süden fährt, wird mit den Städtchen Zadar, Sibenik, Trogir oder Omir Stück für Stück an das Highlight am südlichen Ende von Kroatien hingeführt. Spannend zu erwähnen ist, dass die kroatische Küstenline kurz unterbrochen wird und das heutige Bosnien-Herzegowina einen Zugang zur Adria hält. Dies ist auf die Zeit des Osmanischen Reiches im 16. Jahrhundert zurückzuführen, da war Dubrovnik, damals als Republik Ragus, im Wettstreit mit der Stadt Venedig über die Handelsvormachtstellung im Mittelmeer. Um die Stadt zu schützen, wurden riesige Wehrmauern errichtet und dem osmanischen Reich einen Zugang zur Adria gewährt, welcher als Pufferzone gegen Venedig diente. Heute gehört dieser Teil der Küste zu Bosnien-Herzegowina und ist der Grund, dass Dubrovnik eine Exklave ist.

Nach dem Kurzabstecher in Kroatien fuhren wir zurück nach Montenegro um Perast sowie Kotor und den nahegelegenen Nationalpark Lovcen zu besuchen. Wolkenloser Himmel und Sonnenschein erwarteten uns nach dem Erwachen direkt am Meer bei Perast. Die Gegend sieht aufgrund der Bucht allerdings eher aus wie der Lago Maggiore. Eine der beiden vor Perast liegenden Inseln ist künstlich angelegt und basiert auf versunkenen Schiffen und aufgeschütteten Steinen. Entlang der Küstenstrasse durch kleine Dörfer ging es Richtung Kotor (UNESCO Weltkulturerbe). Auch in Montenegro sind Cafés gut frequentiert und die Leute genossen das frühlingshafte Wetter draussen in den Cafés bereits am Vormittag – wir taten es ihnen gleich. Kotor war aufgrund seiner geografisch vorteilhaften Lage ein wichtiger Handels- und Marinehafen und viele Völker rangen in den vergangenen Jahrhunderten um dessen Herrschaft. Die Altstadt von Kotor ist gut geschützt durch die Stadtmauern und die Festung San Giovanni. Zur Festung gelangt man über mehr als 1000 Treppenstufen – das „Kotorische Tuusigerstägeli“ sozusagen. Diverse Eingangstore führen in die Altstadt von Kotor. Nach deren Durchgang findet man sich in engen Gassen wieder. Restaurants, Hotels, Hostels, Souvernirshops – alles ist vorhanden in der Altstadt.

Die Serpentinen von Kotor hinauf zum Lovcen Nationalpark waren wirklich beeindruckend. Während der Fahrt genossen wir einen wunderbaren Blick auf die Meeresbucht. Nach nur einer Stunde Fahrt und rund 1700 Höhemeter weiter oben fanden wir uns in einer komplett anderen Umgebung wieder. Vorbei waren die frühlingshaften Temperaturen von 20 Grad. Umgeben von meterhohem Schnee und eindrücklichen Bergen fuhren wir in Richtung Njegos Mausoleum, dem Hightlight des Lovcen Nationalparks. Drei Kilometer unterhalb des Mausoleums wurde dann allerdings unsere Fahrt aufgrund des Schnees und Strassenzustandes beendet. Wir setzten die Strecke zum höchsten Mausoleum der Welt, in der absoluten Ruhe der Berglandschaft, zu Fuss fort. Rund 500m vor dem Mausoleum war dann allerdings aufgrund des Schnees auch dieser Weg zu Ende. Obwohl wir das Mausoleum und den Aussichtspunkt nicht besuchen konnten, genossen wir diesen Ausflug sehr.

Anstelle einer Nacht in den Bergen entschieden wir uns zurück ans Meer zu fahren und fanden einen tollen und ruhigen Stellplatz direkt an der Strandpromenade am Stadtrand von Budva. Wär hätte gedacht, dass Stefan am 19.2.2022 nach dem Morgenessen den ersten Schwumm im Meer machen würde! Wie einige unerschrockene Einheimische zog es ihn bei 14 Grad ins kühle Nass. Entlang der Strandpromenade, vorbei an vielen kleinen Restaurants und Bars schlenderten wir bei warmen 20 Grad in Richtung Altstadt. Budva ist ein touristisches Zentrum in Montenegro und hat sich zum Ziel gesetzt, die „Zero-Waste-City“ zu sein – uns freuts! Gemütlich sahen wir uns die Altstadt, die Ballerina Statue, den bekannten Mogren Beach sowie die Stadtmauern und die Kirchen an, bevor wir uns wiederum der lokalen Kaffeekultur hingaben.

Gemächlich fuhren wir weiter Richtung Süden und sahen uns Sveti Stefan an – eine Luxusbadedestination in Montenegro. Die Insel mit dem exklusiven Hotel ist allerdings nur für Gäste zugänglich. Auf der Weiterfahrt Richtung Bar und Ulcinj hielten wir auf einer Nebenstrasse an, um unsere Route zu prüfen. Plötzlich stoppte ein dunkler SUV neben uns und vier Polizeibeamte stiegen aus. Der nette Herr fragte uns in breitem Österreicher Dialekt, ob er uns helfen könne. Wir schilderten ihm, dass wir aufgrund der Enge der Strasse nicht sicher seien, ob wir diese mit unserem Frosch befahren können. Nach kurzer Rücksprache mit seinen Kollegen aus Montenegro empfahlen sie uns eine Alternativroute. Bevor sie ihre Weiterfahrt in Angriff nahmen, stieg der österreichische Beamte nochmals aus und überbrachte uns ein Souvenir für unser Maskottchen. So trägt unser Fröschli nun ein Polizeiabzeichen von Österreich ;-).

Unsere Eindrücke von Montenegro: Atemberaubende Landschaft und Natur (Berge, Wälder, Schluchten, Küste etc.), Tunnels ohne Beleuchtung, aktive Destination (Sommer und Winter), gute Infrastruktur (Strassen inkl. Passstrassen, Gebäude etc.), Zumüllung des Landes überall und in grossem Ausmass, überteuerte Parkplätze (10 EUR pro Stunde in der Bucht von Kotor).

Nach 11 Tagen in Montenegro verlassen wir nun dieses wunderschöne und abwechslungsreiche Land und reisen nach Albanien. Wir würden Montenegro gerne mal in der wärmeren Jahreszeit besuchen und die Vielfalt dieses Landes inklusive der verschiedenen Ausflugsmöglichkeiten noch mehr geniessen.

Unsere bisherige Reiseroute

2 Kommentare zu „Montenegro & Dubrovnik

  1. Hallo Zäme!

    Sehr interessante Reisebericht, danke vöumou. S Föteli vom Blake Lake gseht würklich us wie wenn z Kananda wärsch!

    Auso dr «Sveti Stefan» hätte mer gärn im Meer gseh bade (schlotter?) 😉

    Witerhin e gueti Fahrt und gniessets.

    Liebe Gruess

    Judith und Heinz

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  2. Wunderschön Geschrieben 🥰man fühlt sich gleich mitgenommen auf eurer Reise , und kann sich alles so gut vorstellen 😃ich freu mich jetzt schon auf euren nächsten Bericht , geniesst es ihn vollen Zügen, auf weitere Abenteuer 😘😘

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