Auf dem Weg an die türkisch-georgische Grenze stauten sich die LKWs auf beiden Seiten über mehrere Kilometer. Auf unser Nachfragen beim einheimischen Restaurantbesitzer, erklärt er uns, dass dies mit benötigten Zoll-Dokumenten zusammenhängt. Glücklicherweise ist unser Frosch ein Wohnmobil und kein LKW und so konnten wir ohne Stau an die Grenze fahren. Am ersten Schalter wurde uns mitgeteilt, dass für den Grenzübertritt nur der Fahrer im Fahrzeug verbleiben darf. Manuela machte sich somit zu Fuss über die Grenze und Stefan kämpfte mit dem Frosch um jeden Meter gegen die ungeduldigen und sich vordrängenden LKWs. Der Grenzübertritt verlief bei beiden problemlos und wir freuten uns auf das neue Land Georgien. Georgien hat rund 4 Millionen Einwohner, ist nur wenig grösser als die Schweiz und hat eine eigene Sprache sowie Schrift. Wenige Kilometer nach der Grenze liegt die Stadt Batumi, in der wir die erste Übernachtung einplanten. Für umgerechnet 3 Franken kann man auf einem zentral gelegenen und bewachten Parkplatz stehen und schlafen und zu Fuss die Stadt erkunden. Nebst organisatorischen Dingen (neue SIM-Karte besorgen, Wäscherei aufsuchen etc.) genossen wir auch die schöne Promenade und das Leben in der Stadt. In Batumi fanden wir sowohl hochmoderne Gebäude als auch heruntergekommene Häuser aus der Sowjetzeit. Nach nur wenigen Stunden in Georgien spürten wir bereits einen grossen Unterschied zur Türkei. Die Verkehrsteilnehmer sind ungeduldiger und durch einen rücksichtslosen Fahrstil geprägt, auch die Strassenqualität nimmt rapide nach der Grenze ab. Positiv fielen uns die vielseitigen Freizeitmöglichkeiten, die vielen Bars und Restaurants sowie das grosse kulinarische Angebot auf. Was ein paar wenige Kilometer und eine Landesgrenze ausmachen können!






Nach einer weiteren Nacht in der Region Batumi fuhren wir Richtung Norden mit dem Ziel den Kolkheti Nationalpark zu besuchen. Dieser Nationalpark kann nur per Boot oder Kayak besucht werden, da es sich um einen Regenwald handelt – der sogenannte Amazonas von Georgien. Die vergangenen Tage waren von Regen geprägt und es gab diverse Überschwemmungen in der Region. Unsere Bootstour kam glücklicherweise zu Stande, da an diesem Tag kein Regen angekündigt und die Wasserroute frei war. Wir genossen die Tour in die fantastische Natur, obwohl die Verständigung schwierig war, da der Führer leider nur Georgisch oder Russisch sprach.




Wir tätigten einige Einkäufe in Poti um schliesslich ins Landesinnere zu fahren. Bereits im ersten Laden in Georgien stellten wir das viel grössere Angebot fest, als wir es von der Türkei in den letzten 1.5 Monaten gewohnt waren. Auch fand man wieder vermehrt europäische Marken und Produkte. Auffällig waren auch die 2.5l Bier- und Weinplastikflaschen im Sortiment!
Als wir am Nachmittag beim Okatse Canyon ankamen, wurde uns im Visitor Center mitgeteilt, dass der Park aufgrund der Niederschläge der vergangenen Tage aktuell geschlossen sei. Bereits auf der Hinfahrt waren Teile der Strasse durch Erdrutsche versperrt gewesen. Nach einer Nacht auf dem Parkplatz des Visitor Centers (mit leider sehr viel Hundegebell und -geknurre) konnten wir die Schlucht besuchen. Nach einem rund 2km langen Fussweg erreichten wir die Schlucht. Ein hängender Steg führt zu einer grossen Aussichtsplattform – nichts für schwache Nerven oder Personen mit Höhen- oder Schwellenangst. Der Ausblick tief in die Schlucht sowie über die grünen Hügel Georgiens war wundervoll.



In Georgien gibt es viele verlassene und zerfallene Gebäude. Diese sind nicht nur bei Überlandfahrten zu sehen, sondern teilweise auch direkt in einem touristischen Ort. Unsere Reise ging mit „Kuhslalom“ weiter nach Zqaltubo. Kuhslalom deshalb, weil in Georgien die Kühe, Schweine etc. nicht eingezäunt sind und sich überall, auch auf der Strasse aufhalten. Das Tempo auf Landstrassen kann daher meist nicht gehalten werden, da dauernd für Kühe etc. gebremst oder einem Schlagloch ausgewichen werden muss. Zqaltubo war einst einer der bedeutendsten Kurorte der Sowjetunion und verfügt über diverse Bäder mit Thermalwasser. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion verfiel dieser Ort und die imposanten Gebäude und Hotels zunehmend. Es gibt einen grossen Park mitten in der Ortschaft. In diesem Park gibt es einige noch aktive Bäder sowie auch diverse verlassene und langsam in sich zusammenfallende Gebäude. Um den Park herum führt eine Ringstrasse an welcher viele Hotels liegen. Einige dieser Hotels wurden neu gebaut, andere sind aus früheren Zeiten noch in Betrieb und wiederum andere fallen in sich zusammen. Wir entschieden uns spontan für eine Hydromassage im historischen Stalinbad. Das Badehaus verfügt über eine imposante Front sowie Eingangshalle. Die anschliessenden langen Gänge, an welchen sich unzählige Einzelkabinen befinden, erinnern noch an die Sowjetzeit.







Der Sataplia Naturpark liegt an den Hängen eines erloschenen Vulkans und bietet dem Besucher versteinerte Dinosaurierspuren, eine Tropfsteinhöhle, wilde Bienenvölker sowie den Kolchischen Wald. Dieser gemässigte Regenwald verfügt über eine spezielle Baumzusammensetzung und gehört zu den ältesten Wäldern der Welt. Wir verbrachten einen halben Tag in diesem Park und unternahmen auch die Wanderung durch den Kolchischen Wald.



Unweit entfernt in der Umgebung der Stadt Kutaisi liegt das Gelati Kloster. Es war einst Bischofssitz und ist eines der bedeutendsten Kloster in Georgien, denn dort sind die früheren Könige und Königinnen Georgiens begraben.



Wie bereits in den vergangenen Tagen war wiederum Regen angekündigt und so entschieden wir uns einen Arbeitstag auf einem grossen Truckstopp einzulegen bevor wir südwärts zum Rabati-Schloss fuhren. Nach knapp zwei Tagen Dauerregen erkundigten wir uns bei der lokalen Bevölkerung über den Zustand des Zekari-Passes. Nach mehreren positiven Rückmeldungen entschieden wir uns den Weg über den 2’100 Meter hohen Pass zu fahren. Bis zum Kurort Sairme, bekannt auch für das Mineralwasser, war die Strasse geteert und anschliessend nur noch mit Allradfahrzeugen befahrbar. Unser Frosch meisterte die Strecke ohne Probleme. Als wir auf auf der Passhöhe ankamen, erinnerte uns der Anblick an die Wanderwege auf dem Männlichen im Berner Oberland – mit dem Unterschied dass wir hier nicht zu Fuss unterwegs waren sondern mit unserem Expeditionsmobil. Aufgrund der Strassenverhältnisse dauerte die Strecke ziemlich lange bevor wir schliesslich in Achalziche ankamen. Nach einer Stärkung und Abwarten eines Gewitters klarte der Himmel auf und wir konnten dank der langen Öffnungszeiten des Schlosses die Besichtigung bei blauem Himmel und Sonnenuntergang unternehmen. Das Rabati-Schloss stammt aus dem Mittelalter, wurde allerdings vor rund 10 Jahren renoviert. Es gibt dort eine Kirche, eine Moschee sowie eine Synagoge.









Unsere Reise führte uns wieder nordwärts mit dem Ziel Bordschomi. Dieser Ort im kleinen Kaukasus ist sowohl für seine Heilquellen als auch für das von dort stammende Mineralwasser bekannt. Zu den Sulfurbädern gelangten wir über einen Umweg, da die übliche Zufahrt aufgrund der Regenfälle und entsprechend verschlammten Strassen gesperrt war. Unser Fussweg vom Stellplatz durch den Wald hinunter zum Fluss und den dort gelegenen Bädern glich ebenfalls einer Schlammrutsche und unsere Wanderschuhe verdienten anschliessend eine intensive Reinigung.


Am nächsten Tag beschlossen wir spontan dem Josef-Stalin-Museum in Gori einen Besuch abzustatten. Gori ist die Geburtsstadt des kommunistischen Revolutionärs und Diktators und im Museum ist sein Leben dokumentiert ohne es aber kritisch zu reflektieren.



Seit über 8000 Jahren wird in Georgien Wein angebaut, denn die geologischen und klimatischen Bedingungen sind optimal. Heutzutage führen touristische Weinrouten praktisch durch das ganze Land und es gibt diverse Weingüter, die besichtigt werden können. Wir liessen es uns nicht nehmen und fuhren ein Weingut an, das nebst Degustationen, ein Abendessen mit georgischen Spezialitäten und die Möglichkeit der Übernachtung mit dem Camper vor Ort anbot. Der Besitzer erläuterte uns auf dem Weingut die traditionelle Art der Wein- sowie der Weinbrandherstellung. Das anschliessende Abendessen war begleitet von diversen eigenen Weinen und als Absackerl gabs den georgischen Schnaps Chacha sowie Eigenkreationen von Vodka.



Langsam neigte sich unsere Zeit in Georgien dem Ende, da wir die obligatorische Fahrzeugversicherung für Georgien für 15 Tage abgeschlossen hatten. Als letzter Ort in Georgien stand natürlich die Hauptstadt Tiflis auf dem Programm. Tiflis ist die grösste Stadt in Georgien und hat rund 1 Million Einwohner. Der Stadtverkehr verlangte Höchstkonzentration im Fahrerhaus damit wir gegen Mittag unseren Stellplatz bei der Sameba-Kathedrale heil erreichten. Wir machten uns auf den Weg zu den Sehenswürdigkeiten im Zentrum von Tiflis. Wir hatten Schweizer Reisende angeschrieben bzgl. Tipps zur Verschiffung Iran-UAE. Es stellte sich heraus, dass sie ebenfalls in Tiflis waren und so kam es zu einem spontanen Schweizer Abend mit angeregtem Austausch und einem feinen georgischen Nachtessen bei Inga in der Stube. Inga führt unweit unseres Stellplatzes ein kleines Restaurant, bei dem man sich fast wie in Grossmutters Stube fühlt. Der nächste Tag in Tiflis widmeten wir einigen Erledigungen und zogen uns anschliessend wieder aufs Land zurück.









Während unseren rund zwei Wochen wurden wir mit Georgien nicht wirklich warm und doch verlassen wir dieses Land mit positiven Erinnerungen an die üppige Natur und die fantastische und vielfältige Kulinarik. Bei einem späteren Besuch würden wir gerne die georgische Bergwelt noch besser kennenlernen, denn diese liessen wir, mehrheitlich aufgrund der Schlechtwetterphase, bei unserem jetzigen Besuch bleiben.
Unsere Eindrücke von Georgien: Modernes und Zerfallenes, Autos ohne Front- bzw. Heckabdeckung, Tiere auf der Strasse (Kuhslalom ist vorprogrammiert), Strassen in schlechtem Zustand, grosse Auswahl im Lebensmittelladen, feinste Kulinarik, grossartige Natur, gewöhnungsbedürftiges Verkehrsverhalten, gelbe erdobliegende Gasleitungen in den Dörfern, Offenverkauf von Mehl, Teigwaren, Kühlprodukten, viele Touristen aus den arabischen Ländern, viele rechtsgelenkte Fahrzeuge obwohl Rechtsverkehr herrscht.

Unsere bisherige Reiseroute.
