Schweden

Die unkomplizierten Grenzübergänge in Europa schätzten wir sehr. Manchmal dauerte es allerdings einen Moment um zu realisieren, dass wir in einem neuen Land angekommen waren. Mitte Mai erreichten wir von Dänemark her kommend unseren ersten Stellplatz in Schweden, der im Wald an einem kleinen See in einem Naherholungsgebiet in der Nähe von Halmstad lag. Als wir den See umliefen und an einem Picknickplatz vorbeikamen, fühlten wir uns direkt in die arabischen Länder zurückversetzt. Viele arabische Familien frönten dem Picknick draussen bei den Feuerstellen.

Unsere Route führte nach einer guten ersten Nacht nordwärts an den Vätternsee in Südschweden. Der Vätternsee ist der zweitgrösste See im Land, dessen Ufer schon früh besiedelt waren. So finden sich diverse mittelalterliche Orte, unter anderem die am Südufer gelegene Stadt Jönköping. Diese Stadt ist eine alte Handels- und Industriestadt und vor allem bekannt aufgrund der Zündholzindustrie. Leider war zu unserer Zeit das Zündholzmuseum geschlossen.

Die Stadt Huskvarna grenzt an Jönköping und beheimatet die weltweit bekannte Unternehmung Husqvarna, die heute Weltmarktführer für Forst- und Gartengeräte ist. Wir besuchten das Werksmuseum und erfuhren Interessantes über die Firmengeschichte und die Entwicklung der Unternehmung. Das Unternehmen Husqvarna wandelte sich im Laufe der Zeit vom Waffenhersteller, zum Motorradproduzenten, zum Haushaltgerätehersteller bis hin zum Produzenten für Motorsägen. Was heutzutage IKEA ist, war in den 50er und 60er Jahren Husqvarna.

Wir fuhren weiter nordwärts entlang des Vätternsees, machten einen Kurzstop in Vadstena und übernachteten schliesslich in der Ortschaft Motala. Motala liegt am östlichen Vätternseeufer und gilt als Hauptort für den Göta Kanal. Der Göta Kanal wurde im 19. Jahrhundert gebaut und ist Bestandteil des Wasserwegs von Göteborg im Westen Schwedens bis nach Söderköping im Osten. Die Gesamtlänge des Wasserweges beträgt 390 Kilometer. Er besteht sowohl aus natürlichen Gewässern wie bspw. dem Vätternsee aber auch aus künstlich angelegten Kanälen sowie Schleusen und ist ein beliebtes Urlaubsziel.

In den nächsten Tagen hatten wir zwei Hauptziele, die wir besuchen wollten. Einerseits die älteste Schleuse am Göta Kanal, andererseits den Tiveden Nationalpark. Wir fanden einen traumhaften Übernachtungsplatz am See, der für die beiden Ziele gut gelegen war und der bezüglich Schwedenidylle kaum zu übertreffen war.

Der Tiveden Nationalpark liegt zwischen den zwei Seen Vättern und Vänern und bietet den Besuchern unberührte Natur, die bekannten schwedischen Altwälder, Felsen und Seen. Der Wald gilt als Urwald, da die Forstwirtschaft nie bis in dieses Gebiet vorgedrungen war und macht seinem Namen alle Ehre: Tiveden = Wald des Gottes. Wir unternahmen eine fünfstündige Wanderung im Nationalpark und wurden mit wunderbarer Natur, Stille sowie frischer Luft belohnt.

Am Folgetag besuchten wir die Forsvik Schleuse, die älteste Schleuse am Götä Kanal. Diese wurde im Jahr 1813 gebaut und ist die höchste Einzelschleuse am Göta Kanal. Sie überwindet 3.5 Meter Höhe. In unmittelbarer Nähe gibt es einen Stellplatz sowie ein Café, von dem aus man das Treiben an der Schleuse beobachten kann. Leider war zu unserer Zeit kein Schiffsverkehr und somit leider kein Betrieb an der Schleuse.

In Schweden ergab sich ein spontanes Treffen mit Schweizer Freunden und wir genossen gemeinsame Tage an einem wunderbaren Stellplatz, umgeben von Wald, Wasser und Ruhe.

Die Fähre von Schweden nach Finnland war gebucht und so führte unser Weg an die Ostküste zum Hafen. Auf dem Weg dorthin hatten wir einen kleineren technischen Zwischenfall. Einer der Kabelschuhe ist altershalber abgebrochen und so wurde unsere Batterie nicht mehr vom Alternator geladen. Wir versuchten in der Nähe einer Mercedesgarage das Problem selber zu beheben, denn es war Sonntag und entsprechend alle Garagen geschlossen. Während mehrerer Stunden und mit kreativen Einsatz von Stefans Buschmechanik war es schliesslich möglich, die Verbindung wieder herzustellen und den letzten Teil des Weges zum Hafen unter die Räder zu nehmen. Spätnachts und bei Dunkelheit erreichten wir das Terminal rechtzeitig, um die Fährüberfahrt frühmorgens am Folgetag nach Finnland anzutreten.

So verliessen wir Schweden nach rund 10 Tagen mit der Fähre nach Finnland und freuten uns sehr auf ein Nordisches Land, welches wir noch nicht bereist hatten.

Wir besuchten Schweden nochmals, als wir vom Nordkap her kommend wieder Richtung Süden unterwegs waren. Wir hatten die Wildernessroad im Norden Schwedens zum Ziel. Diese Route erstreckt sich auf rund 500 Kilometern durch die Wildnis von Schweden. Es ist die höchstgelegene Asphaltstrasse, die nur zwischen Juni und Oktober befahrbar ist und durch aussergewöhnliche Landschaften und über das Stekenjokk-Plateau, ein geschütztes samisches Gebiet, führt. Leider hatten wir mehrheitlich kein Wetterglück während der Fahrt auf der Wilderness Road und entsprechend wenige Aktivitäten unternommen.

Unsere Eindrücke: Viele US Autos, Mopedautos die nur max. 30 km/h fahren und von Jugendlichen gelenkt werden dürfen, grosse Gelassenheit, Ruhe und keine Hektik in allen Ortschaften die wir bereisten.

Unsere Reiseroute in den Nordischen Ländern

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