Finnland

Ende Mai brachte uns die Fähre von Schweden via die Insel Aland, nach Turku. Wir genossen eine ruhige Überfahrt und kamen bereits auf dem Schiff in Kontakt mit der finnischen Kultur. Im Fährticket war das Mittagsbuffet an Bord inklusive, wodurch wir einen ersten kulinarischen Einblick des neuen Landes erhielten. Die Ausstattung der Fähre gab uns einen weiteren ersten Eindruck, denn die geschlechtergetrennte Sauna war selbstverständlich in Betrieb und wir waren nicht die einzigen, die die finnische Saunakultur genossen, bereits bevor wir einen Fuss auf Finnischen Boden setzten. Die Fahrt führte uns durch das Schärenmeer, einem Teil der Ostsee, der sich von der Insel Aland bis zum finnischen Festland erstreckt und durch diverse kleine Inseln besticht.

Nach rund 8 Stunden erreichten wir das Festland von Finnland und fuhren auf direktem Weg zum nächsten Baumarkt nach Turku. Der Buschmechanikeinsatz des Vorabends steckte uns noch in den Knochen und wir wollten uns sofort mit den notwendigen Dingen ausrüsten, um die provisorische Reparatur möglichst bald in eine definitive Reparatur umzuwandeln. Unsere erste Nacht verbrachten wir daher auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums, da wir nach dem Baumarkt direkt die Self-Service Wäscherei aufsuchten, unsere Wäsche erledigten, um für das Finnlandabenteuer bereit zu sein. Turku diente uns folglich als Ort für diverse Erledigungen, bevor wir schliesslich in die Hauptstadt weiterfuhren und uns auf zwei Tage Stadtsightseeing freuten.

Helsinki begrüsste uns mit wunderschönem sonnigen Wetter und einem tollen Stellplatz direkt am Meer. Von diesem wir innert kürzester Zeit zu Fuss bei einer U-Bahnstation waren, um mit dem ÖV die Stadt zu erkunden. Wir buchten uns eine geführte Free Walkingtour und erfuhren viel Interessantes über die Stadt, die Geschichte des Landes wie auch die Lebensweise der Finnen. Dazu gehörten natürlich auch Informationen zur Saunakultur der Finnen. Im Zentrum von Helsinki steht nicht nur ein Riesenrad, das über eine Saunagondel verfügt, es gibt auch eine Burger King Filiale, in der man sein Menu, anstatt im Restaurant an einem Tisch, in der hauseigenen Sauna der Fastfoodkette geniessen kann. Weiter finden oftmals erste Teamsitzungen zusammen mit einem neuen Mitarbeitenden in der Sauna statt und früher kamen Kinder während des Winterhalbjahres oft in der Sauna zur Welt. Im alten Marktgebäude kosteten wir zum ersten Mal Rentierfleisch und an den Marktständen im Freien begutachteten wir die aus Holz gefertigten Trinktassen namens Kuksa. Die Sprache Finnlands ist bekannt für seine langen Wörter, aus diesem Grund wurden in der Innenstadt die Strassennamen mit Tierzeichen versehen. So verabredet man sich beispielsweise an der Ecke der Strassen Giraffe und Bär, was die Kommunikation für die Menschen erleichtern soll. Am Schluss unserer Walkingtour wurden wir buchstäblich in eine andere Welt entführt. Wir besuchten die Zentralbibliothek der Stadt, die ein Geschenk an die Einwohner Finnlands zum 100jährigen Bestehen des Landes darstellt. Die Einwohner durften ihre Wünsche an die Bibliothek äussern und viele dieser Wünsche wurden beim Bau der Bibliothek berücksichtigt. Nebst der klassischen Bibliothek, in der Roboter die Bücher zurück zum Gestell bringen, beinhaltet diese auch komplett ausgestattete Tonaufnahmestudios, die kostenlos reserviert und benutzt werden können. Die Musikinstrumente für die Tonaufnahme stehen ebenfalls zur Verfügung. Weiter gibt es 3D-Drucker, Nähmaschinen, Küchen- und Meetingräume, Haushaltgeräte die ausgeliehen werden können und so viel mehr. Wir beide waren sehr beeindruckt von diesem architektonisch ansprechenden und vielseitig ausgestattetem Gebäude.

Der Hauptstadt vorgelagert sind diverse Inseln. Die Insel Suomenlinna gehört zum UNESCO-Welterbe und war bis 1973 eine Festungsinsel. Seit dem Ende der militärischen Nutzung wurde die Insel öffentlich und begrüsst jährlich fast eine Million Besucher. Mit dem Schiff geht es vom Zentrum Helsinkis in einer kurzen Fahrt über das Meer. Auf der Insel können sowohl die Festung, wie auch diverse Museen besucht werden.

Von Helsinki aus fuhren wir ostwärts in das rund 1 Stunde entfernte Porvoo. Porvoo ist bekannt für seine roten Holzhäuser direkt am Fluss Porvoonjoki. Zusammen mit der Kathedrale aus dem 15. Jahrhundert sowie diversen gut erhaltenen alten Gebäude lässt sich der Ort bequem zu Fuss erkunden.

Wir verliessen die Küstengegend um in das Landesinnere nach Lahti zu fahren. Die Stadt liegt am See Vesijärvi und ist bekannt für sein Sinfonieorchester, eines der besten Orchester der nordischen Länder. Im Jahre 2000 wurde die Sibelius-Halle eröffnet – eine Konzert- und Kongresshalle, mit einer hervorragenden Akustik. Dieses faszinierende Gebäude, das aus Holz konstruiert wurde, vereinigt den modernen Neubau wie auch das aus dem Jahre 1907 stammende ehemalige Sägewerk. Leider war bei unserem Besuch der Stadt das Wetter nicht so schön, weshalb wir nebst der Besichtigung der Stadt auch ein authentisches finnisches Café besuchten und uns bei warmem Kaffee und einer köstlichen Zimtschnecke, sogenannte Korvapuusti, etwas aufwärmten und das finnische Treiben im Café auf uns Wirken liessen.

Finnland – das Land der tausend Seen. Dies spürt man insbesondere, wenn man die Region der Seenplatte Finnlands besucht, die im Südosten des Landes liegt. Umgeben von viel Wald befinden sich unzählige Seen in diesem Gebiet und bieten den Menschen Räume der Ruhe und Erholung aber auch Möglichkeiten für diverse Wassersportaktivitäten. Gut erschlossen, befindet sich praktisch hinter jeder Kurve wieder ein Haus, das entweder als Wohn- oder Ferienhaus dient. Doch an Stellplätzen mangelt es trotzdem nicht. Die Plätze dienen teilweise nicht nur Campern sondern auch Kanureisenden, die mit ihren Zelten auf dem Wasserweg ankommen. Wir staunten nicht schlecht, denn die Plätze verfügen meistens über ein Topinfrastruktur – alles kostenlos zur Verfügung gestellt. Eine Feuerstelle mit Beil und Säge sowie einem Holzvorrat, ein Plumpsklo sowie Bänke und Tische fanden wir immer wieder vor – immer sauber und aufgeräumt und frei von Vandalismus.

Am berühmtesten See Finnlands, dem Saimaa See, machten wir für mehrere Tage Halt, genossen eine spannende Lektüre in der Hängematte mit Blick auf die wunderbare Natur oder nutzten unsere Standup Paddles um selbst in der Stille auf dem Wasser dahinzugleiten und Finnland auf dem Wasserweg zu erkunden.

Unser Weg führte anschliessend auf der Seenplatte Richtung Norden. Wir befuhren die spektakuläre Passage von Punkaharju und statteten in der Stadt Savonlinna, der von Wasser umgebenen mittelalterlichen Burg Olavinlinna, einen Besuch ab. Zu Gesicht bekamen wir während unserer Fahrt in dieser Gegend auch die Aktivitäten der Holzindustrie – Baumstämme die auf dem Wasser zu den Fabriken trieben, um dort schliesslich verarbeitet zu werden.

Nordöstlich von Savonlinna, nahe der russischen Grenze, liegt der bekannte Koli Nationalpark, der unser nächstes Reiseziel war. Dieser Nationalpark wird oft von Künstlern und Fotografen besucht. Die Koli-Berge inmitten der finnischen Seen bieten eindrucksvolle Sujets, die nicht nur die Touristen verzücken. Der Ukko-Koli thront mit seinen 347 Metern über der Landschaft und lässt einen Blick über die flachen Weiten Finnlands bis weit in die Ferne zu. Im Winter kann man an diesem Ort sogar mit den installierten Sesselliften Skifahren – nur wird die Abfahrt nicht ewig dauern. Wir unternahmen eine Wanderung durch den Nationalpark. Vorbei an von den Gletschern der letzten Eiszeit geschliffenen Felsbrocken, durch wunderbare grüne Wälder und dies praktisch immer mit diesem spektakulären Blick auf die finnische Landschaft, die von den Einheimischen auch als Nationallandschaft bezeichnet wird. Während der Wanderung konnten wir die tektonische Plattenverschiebung nachvollziehen und uns anschliessend im modernen Besucherzentrum noch weiter über die Gegend informieren.

Kuopio, die neuntgrösste Stadt Finnlands war unser nächstes Reiseziel. Unser Stellplatz war nur unweit des Puijo Turmes und umgeben von viel Wald und Wiesen, die für den Nationalsport des Frisbeegolf rege genutzt wurden. Kurz nach unserer Ankunft, begutachteten wir die Region von Kuopio vom 75 Meter hohen Puijo Turm aus – bis doch glatt innert Kürze ein Schneesturm aufzog und uns die Sicht nahm – und dies am 1. Juni! Auf dem Parkplatz des Turmes fielen uns zum ersten Mal auch die unzähligen Stromsteckdosen auf, an welche die Fahrzeuge im Winter angedockt werden können, damit sich diese auch bei tiefen Temperaturen starten liessen. Zu Fuss ging es am nächsten Tag ins Stadtzentrum zur weiteren Erkundung, bevor es uns wieder in die Natur zog.

In der Nähe von Paltamo fanden wir einen ruhigen Stellplatz direkt bei einem kleinen Bootshafen am See. Dieser diente uns auch als Basis für die noch ausstehende Reparatur. Das Wetter war während den Tagen in der Nähe von Paltamo wechselhaft und eher kühl – die bezaubernden Spiegelungen auf dem See konnten wir jedoch trotzdem – zu Land wie zu Wasser – bestaunen.

Kleinere Reparatur

Das Schutzgebiet des Rokua Nationalpark ist auch Teil des Rokua Geoparks, der im UNESCO Netzwerk von einzigartigen geologischen Stätten enthalten ist. Der Park bietet vielseitige Möglichkeiten der Erkundung. Wir haben uns für unsere Fahrräder entschieden und genossen die Touren durch die uralten Kiefernwälder, über Sandboden und vorbei an wunderbaren Seen und Gewässern. Auch an diesem Ort gab es immer wieder Plätze mit Infrastruktur. So gab es Holzhütten für Wanderer mit Bettgestellen, diverse Holztische und Bänke, Plumpsklos sowie Unterstände. Der Pookivaara Turm bietet den Schwindelfreien eine wunderbare Aussicht über den Nationalpark. Auch im Winter kann der Park besucht werden – entsprechende Signaletik gab es entlang der Strassen.

Nach der Bike-Tour liessen wir unsere Muskeln in den warmen Bädern des Wellnessbereichs eines nahe gelegenen Hotels entspannen und erweiterten unsere kulinarischen Erfahrungen beim anschliessenden finnischen Buffet im Hotel.

Die nördlichste Stadt der EU, Oulu, war unser nächster Stopp. Wir konnten unseren Frosch wiederum zentrumsnah parkieren und die Stadt zu Fuss erkunden. Nebst dem tollen Marktplatz und der kleinen aber feinen Markthalle, bietet die Stadt auch schöne Fussgängerflanierzonen und interessante Bauwerke. Heute ist die Stadt das Zentrum der finnischen IT-Wirtschaft und Nokia der grösste produzierende Arbeitgeber in dieser Region. Bereits während unserer geführten Walking Tour in Helsinki haben wir erfahren, dass es während den Sommermonaten überall im Land skurrile Festivals und Wettbewerbe gibt – bspw. Handyweitwurf, Frauentragen etc. In der Stadt Oulu findet jährlich die Weltmeisterschaft im Luftgitarrenspielen statt.

Der Stadt vorgelagert liegt die Insel Hailuoto. Im Winter wird eine Schneestrasse über das gefrorene Meer bis zur Insel in Betrieb gehalten, während dem Sommer gibt es Fährverbindungen von Oulu nach Hailuoto. Knapp 1000 Einwohner leben auf dieser Insel, die mehrheitlich ein Vogelschutzgebiet darstellt. Wir nahmen die Fähre und nach kurzer Überfahrt erkundeten wir die Insel. Wenn man von der einzigen Strasse, die die Insel durchquert, abbiegt befindet man sich schnell auf Waldpfaden mit teilweise sehr sandigem Untergrund.

Wir besuchten, umgeben von einer wunderbaren Abendstimmung, den Klangturm von Hailuoto mit dem angrenzenden Strand. Dabei wurden wir zum ersten Mal in den Nordischen Ländern von vielen Mücken belagert, sodass wir nach Einfangen der wunderbaren Stimmungsbilder, ziemlich zügig wieder in unseren Frosch zurückgekehrt sind.

Zurück auf dem Festland führte unsere Reise weiter nordwärts bis nach Rovaniemi, der Hauptstadt von Finnisch Lappland. Etwas nördlich der Stadt liegt Joulupukin Payakilä, das Weihnachtsmanndorf. Dort überquerten wir zum ersten Mal mit unserem Frosch den Polarkreis und berichteten dem „echten“ Weihnachtsmann von unserer Weltreise – und dies auf Deutsch, denn der Weihnachtsmann spricht viele Sprachen fliessend. Das Weihnachtsmanndorf ist komplett auf die Vermarktung ausgerichtet, entsprechend gibt es die Hauptpoststelle des Weihnachtsmannes, Souvenirshops sowie auch Gelegenheiten, den Weihnachtsmann persönlich zu treffen.

Der Weihnachtsmann warnte uns noch vor Rentieren in Strassennähe oder auf den Strassen selbst, die wir auf unserer nächsten Etappe in Richtung Norden antreffen könnten und erinnerte uns daran, dass doch jenes Rentier mit der roten Nase zu ihm gehöre. Die Rentiere liessen nicht lange auf sich warten und wir konnten bei diversen Gelegenheiten die Tiere vom Frosch aus beobachten. Rudolf, das Rentier mit der roten Nase, haben wir allerdings nicht gesehen.

Der Pyhä-Nattanen war unser nächstes Wanderziel. Den Startpunkt für unsere Wanderung erreichten wir nach einer langwierigen Anfahrt, bei der wir den unzähligen Schlaglöchern der Zufahrtsschotterstrasse auszuweichen versuchten, was nicht immer gelang. Der Wanderweg führte uns zunächst durch eine bewaldete Gegend, durch die wir an Höhe gewannen. Der Aufstieg führte dann weiter in einer vermehrt steinigen Umgebung, bis wir schliesslich den 508 Meter hohen Gipfel erreichten. Der Gipfel sah aus wie horizontal aufeinandergeschichtete Felsplatten, von denen wir einen atemberaubenden Weitblick über Finnisch Lappland hatten. Zu unserem Erstaunen gab es auf dem Gipfel erneut eine einfache Infrastruktur – eine kleine Holzhütte, die mit 2 Betten ausgestattet war.

Seit wir den Polarkreis überquert hatten, wurden wir von der Mitternachtssonne begleitet. Nie zuvor machten wir bisher diese Erfahrung und spürten, wie sich dies auch auf unseren Körper auswirkte. Müde wurden wir aufgrund der Helligkeit fast nicht und abends um elf Uhr hatten wir immer noch das Gefühl, es sei erst 18 Uhr und man könnte doch noch eine kurze Radtour unternehmen. Dankbar über die Möglichkeit den Frosch komplett abzudunkeln, sodass wir schliesslich doch genügend Schlaf bekamen und die Mitternachtsfahrradtouren auf den nächsten Tag verschieben konnten.

Den zweitgrössten Nationalpark Finnlands, den Uhro-Kekkonen Nationalpark, besuchten wir erneut mit unseren Fahrrädern und begegneten auf den unzähligen Routen Gleichgesinnten wie auch diversen Wandergruppen, die auf ihren Mehrtagestouren unterwegs waren. Moorgebiete, baumlose Höhen, sogenannte Fjells, sowie Wälder gehören zu diesem Nationalpark, in dem auch Rentierzucht betrieben wird.

Lappland in Finnland

Nach dem Besuch des Uhro-Kekkonen Nationalpark stand die letzte Region in Finnland für uns an – die Region rund um Inari. In dieser Region leben rund 30% des indigenen Volkes der Samen und das Samische Parlament hat in Inari seinen Sitz. Wir besuchten das Samische Kulturzentrum Sajos sowie Siida, das Sami Museum und Naturzentrum. Nach diesem kulturellen Teil bezogen wir unseren schönsten Stellplatz in Finnland – wiederum direkt an einem See. Dort verweilten wir länger als ursprünglich geplant, denn am Nordkap tobte ein schwerer Sturm, weshalb wir spontan entschieden, bei angenehmen und sonnigen Temperaturen an diesem wunderbaren Ort in Finnland zu bleiben, bis sich die Wetterprognosen am Nordkap besserten. Wir verbrachten Stunden auf unseren SUPs und genossen die wunderbare Gegend während wir unsere Erlebnisse in Finnland Revue passieren liessen.

Unser erstes Finnlandabenteuer während mehr als drei Wochen gefiel uns unglaublich gut. Die unberührte Natur, die tollen Stellplätze und die verschiedenen Möglichkeiten des Aktivurlaubes haben uns beeindruckt und wir würden gerne dieses Land einmal im Winter bereisen.

Unsere Eindrücke: schöne Trucks, fest fixierte Leitern an den Häusern, Rückspiegel am Velo, viele Häuser am See, Anhänger mit Haube, Bürsten für Schuhputz vor jedem Haus, viele Menschen mit gefärbten Haaren in blau, rot, grün etc., viele tätowierte Menschen, Kindergartenkinder mit Warnwesten auf dem Spielplatz, Elektrostecker bei den Parkplätzen für den Winter, Frisbeegolf als Volkssport, diverse Saunagadgets können gekauft werden, Türverriegelungen öffnen in die entgegengesetzte Richtung als in der Schweiz.

Unsere bisherige Reiseroute

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