Bosnien-Herzegowina

Am Samstagvormittag ging es los in Richtung bosnische Grenze. Die Fahrt der Küste entlang ähnelt jener vom Lago Maggiore nach Luino. Auch in dieser Grenznähe gab es wieder vermehrt Polizeikontrollen. Diesmal aber nicht für uns. Der Frosch verwirrt so manchen Polizisten. Wir erhalten ein Zeichen zum Anhalten und dann lassen sie die Haltekelle wieder sinken und geben das Zeichen für die Weiterfahrt. Den Grenzübertritt schafften wir dann schliesslich im dritten Anlauf….aber alles der Reihe nach. Unser Navi führte uns an den ersten Grenzposten – die Barriere geschlossen, verrostet und das Grenzhäuschen unbesetzt. Also fuhren wir weiter und nicht weit weg war ein grösserer, besetzter Grenzposten. Mit den Ausweisen bereit zur Aushändigung sind wir in die Autospur eingebogen. Der Grenzwächter sprang aus seinem Häuschen und gab uns zu verstehen, dass wir falsch seien. Er sagte, dass wir mit diesem Truck hier nicht über die Grenze dürfen. Wir konterten, dass der Frosch kein Truck sondern ein Camper sei. Er meinte dann nur, wir seien mit diesem Camper ein Truck und müssten 6 Kilometer zum nächsten Grenzposten fahren. Dort angekommen gab es vier Stationen: Zoll Kroatien, Polizei Kroatien und dann das Gleiche nochmals auf bosnischer Seite. Die Beamten waren freundlich aber bestimmt und die Frage-Antwort Runde bei jeder der vier Stationen war: „Is this a camper? Yes, it is a Camper.“ 😃 Schliesslich gab es den Einreisestempel in unsere Pässe und wir machten uns auf zur ersten Sehenswürdigkeit, den Kravica Wasserfällen. Bosnien-Herzegowina ist weitaus weniger touristisch als Kroatien. Der Kravica Wasserfall war schön, aber der Eintrittspreis von CHF 10.- pro Person fanden wir dann doch etwas hoch.

Kravica Wasserfall

Unser nächstes Ziel war die Stadt Mostar. Der Weg führte über Land (Autobahnen gibt es praktisch keine) und wir erhielten viele freundliche Reaktionen (Daumen hoch) von anderen Verkehrsteilnehmern zu unserem Frosch. In Bosnien-Herzegowina gibt es noch viele Gebiete die vermint sind. Auf einer App kann man diese Minengebiete anzeigen lassen und auch Schilder am Strassenrand machen auf die Gefahr aufmerksam. In Mostar angekommen, stellten wir unseren Frosch auf einem bewachten Parkplatz ab und schlenderten zur bekanntesten Sehenswürdigkeit, der Stari Most (Alte Brücke). Rund um die Brücke gibt es viele Restaurants, Cafés, Touristenläden, Museen und es war trotz der Jahreszeit belebt. Die Stari Most repräsentiert die Zweiteilung der Stadt in Ost und West und wurde während dem Bosnienkrieg gezielt bombardiert, bis sie schliesslich in sich zusammenbrach. Nach dem Krieg wurde die Brücke originalgetreu wieder aufgebaut und beim Übergang stellt man auch heute die Zweiteilung der Stadt fest. Der Osten ist geprägt vom osmanischen Einfluss und muslimisch. Die Frauen tragen traditionelle Kleidung mit Kopftuch und Moscheen prägen das Stadtbild. Im Westen findet man Kirchen. Wir beschlossen die Nacht in Mostar zu verbringen und suchten einen sicheren Übernachtungsplatz. Generell wird geraten nur auf Campings oder bewachten Plätzen zu parkieren oder zu schlafen. Zurück bei unserem Parkplatz fragten wir den Parkwächter, ob wir hier übernachten dürften. Die Verständigung erfolgte per Zeichensprache, da der freundliche Herr weder Englisch noch sonst eine Fremdsprache sprach. Aber zwei Hände aufeinander und diese an die Wange angelehnt und den Kopf geneigt versteht man überall 😉. Dass wir nicht sehr viel Schlaf bekommen würden, wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht… So ging es zurück zu den Sehenswürdigkeiten. Der Krieg ist sowohl durch viele beschädigte und zerstörte Gebäude, den Sniper Tower (Scharfschützenturm) als auch durch Memorials noch sehr präsent. In der Nähe der Alten Brücke gibt es noch die Crooked Bridge sowie die Kriegsfotoausstellung (war photo exhibition), die wir ebenfalls besuchten. In dieser Ausstellung gab es auch noch einen kurzen aber eindrücklichen Film mit Originalaufnahmen vor, während und nach dem Krieg. Der etwa 60-jährige Betreiber der Ausstellung erläuterte uns die Sicht der Bosnier auf den Stellvertreterkrieg der 90er Jahre und seine Erfahrungen in dieser Zeit. Für uns interessant, da sie eine andere als uns bekannte Perspektive aufzeigte. Wir empfinden die Bosnier als sehr offen, denn bereits an unserem ersten Tag im Land kamen wir mehrere Male ins Gespräch mit hilfsbereiten und freundlichen Einheimischen. Als wir uns am Samstagabend noch einen feinen Kaffee gönnten, fragten wir uns, was wohl die Jugendlichen in dieser Stadt so unternehmen. Wenig später wussten wir es….sie besuchten den Nachtclub direkt bei unserem Parkplatz. Von halb drei bis halb fünf Uhr morgens war daher Action um unseren Frosch und an Schlaf aufgrund der Nachtschwärmer nicht zu denken 😂.

Wie bereits erwähnt, wollten wir im Olympiaskigebiet bei Sarajevo unsere Schneeschuhe umschnallen. Angekommen in einer wunderschönen Winterlandschaft bei Bjelasnica machten wir uns aber ohne Schneeschuhe auf zur gemütlichen Winterwanderung, genau so wie dies die Einheimischen auch machten an diesem Sonntag. So viele Leute wie hier hatten wir lange nicht mehr gesehen – das schöne Wetter zog alle nach draussen. Im Unterschied zu Schweizer Skigebieten gibt es hier praktisch keine Restaurants oder Bars. Die Leute nehmen ihre Campingstühle und den Gaskocher mit und verpflegen sich selbst. Wenige, auf privater Basis, aufgestellte Stände offerieren Popcorn oder warme Maiskörner in einem Becher.

Der Wetterbericht meldete Sturmböen und Schnee daher fuhren wir frühmorgens vom Berg in die 30 Minuten entfernte Hauptstadt Sarajevo. Kaum auf dem Campingplatz angekommen, kam der Wetterumschwung und aus der geplanten Besichtigung von Sarajevo wurde wetterbedingt nichts. Am Folgetag fuhren wir mit dem Taxi ins Zentrum und starteten den Tag wie hier üblich – gemütlich in einem Café. Unsere Stadtbesichtigung begann bei der Ewigen Flamme, die an die Kriegsopfer des Landes während dem Zweiten Weltkrieg erinnert. Anschliessend schlenderten wir vorbei an der Kathedrale mit dem Monument von Papst Johannes Paul des II durch die schöne Fussgängerzone. Auffällig ist das Miteinander diverser Kulturen, Religionen und Sprachen. Nach wenigen Metern findet man sich in einem Souk wieder und das kulinarische Angebot hat vermehrt arabischen Einfluss (wir verwöhnten uns mit köstlichen Baklava). Auf den Schildern von Restaurants etc. ist sowohl die lateinische als auch die arabische Schrift vorhanden. Kirche, Moschee und Synagoge sind nur durch weniger Metern voneinander getrennt. Während wir dieses Miteinander auf uns wirken liessen, wurden wir oft von Bettlerinnen angesprochen. Unsere Stadttour führte uns dann zur historischen Lateinerbrücke, auf welcher das Attentat auf Erzherzog Franz Ferdinand ausgeüb und dadurch der Erste Weltkrieg ausgelöst wurde. Da die Temperatur der Jahreszeit entsprechend kalt war, zogen wir den Besuch des War Child Museum einer weiteren Outdooraktivität vor. Dieses Museum widmet sich ausschliesslich den Kindern während des Krieges und zeigt sowohl Spielsachen, Alltagsgegenstände wie auch Videos. Für uns beide eine bewegende Erfahrung, da diese Ausstellungsobjekte von Personen waren, die entweder unseren Jahrgang oder den unserer Geschwister oder unserer Freunden hatten. Dankbar für die glückliche und unbeschwerte Kindheit in der Schweiz und tief berührt von den Erzählungen und Zitaten im Museum setzten wir unsere Stadtbesichtigung fort. Mit der Gondel fuhren wir auf den frisch verschneiten Trebevic Berg und erfreuten uns ab der wunderbaren Aussicht auf die Stadt sowie auf die umliegenden Hügel. Sarajevo liegt im Talkessel umgeben von Hügeln, von denen aus der Beschuss während des Krieges erfolgte. Die Rosen Sarajevos erinnern an diese Mörsereinschläge. Auf dem Trebevic Berg besichtigten wir die Olympia Bobbahn aus 1984.

Sarajevo

Nach zwei Nächten verliessen wir im Sonnenschein die Stadt in Richtung Berge, legten aber noch einen Stopp im Kriegstunnelmuseum (Sarajevo War Tunnel) ein. Dieses Museum zeigt den 800m langen Tunnel, der während des Krieges innert 4 Monaten unter dem Flughafen hindurch gebaut wurde. Damit wurde nicht nur die Versorgung der belagerten Stadt Sarajevo sichergestellt, sondern auch der Durchgang in und aus der belagerten Zone für Zivilisten und Militärs. Ein kleiner Teil des Tunnels ist für Touristen geöffnet.

In Bjelasnica feierten wir den Geburtstag von Stefan. Wir verbrachten einen relaxten Tag rund um das dort liegende Hotel und liessen uns am Abend kulinarisch verwöhnen. Übernachten durften wir auf dem Parkplatz gleich beim Hotel. Blauer Himmel und Sonnenschein lockten uns am nächsten Morgen zu unserer ersten Schneeschuhtour. Leider sind in diesem Gebiet keine Schneeschuhtrails ausgeschildert und die Minenwarn-App zeigte auch hier (nur drei Kilometer entfernt) Gebiete an, die noch vermint sind. Wir hielten uns daher an Wege, die aber dank des Neuschnees der vergangenen Tage noch grösstenteils unberührt waren.

Nach knapp einer Woche in Bosnien-Herzegowina beschlossen wir Richtung Montenegro aufzubrechen. Nach kurzer Fahrt stand uns erneut eine Polizeikontrolle bevor – diesmal dauerte sie allerdings länger, erforderte Diskussionen und wir erfuhren was Korruption in Bosnien-Herzegowina heisst…

Die Strasse zum kleinen Grenzübergang nach Montenegro war sehr holprig und oftmals nur einspurig befahrbar. Wir hatten uns im Vorfeld über den Grenzübergang erkundigt und waren entsprechend vorbereitet. Für den Grenzübertritt musste eine alte einspurige Holzbrücke überquert werden. Bei diesem Grenzübertritt ging alles reibungslos und nach wenigen Minuten inkl. Vorweisen des COVID-Zertifikats für die Einreise nach Montenegro durften wir unsere Reise auf markant besseren Strassen fortsetzen und freuen uns auf die nächsten Tage in Montenegro.

Unsere Eindrücke von Bosnien-Herzegowina: freundliche und offene Menschen, ein nebeneinander von verschiedenen Kulturen, Sprachen und Religionen, in den Restaurants wird viel und stark geraucht, Infrastruktur nicht mit europäischem Standard vergleichbar (keine Autobahnen, Durchschnittsgeschwindigkeit 50 km/h), mehr Armut als in den bisherigen Ländern, der Krieg ist immer noch präsent (Minen, zerstörte Gebäude etc.), Radio Swiss Pop läuft in vielen Restaurants, bewaffneter Sicherheitsdienst im OBI.

Unsere bisherige Reiseroute

5 Kommentare zu „Bosnien-Herzegowina

  1. Herzliche Glückwünsche zum Geburtstag nachträglich,alles Gute und bleib Gesund lieber Stefan 🥂☘️☘️☘️🥂
    Toll was Ihr wieder alles erlebt und gesehen habt sehr interessant 👍
    Herzliche Grüsse Bettina

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  2. Einfach schön 🥰euren Reisebericht zu lesen, das werden unvergessliche Eindrücke für euch sein . Bin jetzt schon auf euren nächsten Bericht gespannt. Passt auf euch auf und geniesst es 😘😘

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    1. Hallo Peter.
      Wir haben damals die App „Mine suspected areas“ „BH MAC“ verwendet. Für Android heisst sie: „BH Mine Suspected Areas“
      Hoffe das hilft Dir weiter.

      Beste Grüsse
      Team Frog

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