Peloponnes

Via Rio-Andirrio Brücke fuhren wir nach Patras – unseren ersten Stopp auf der Peloponnes. Sowohl wir mit unserem Frosch, als auch die Fähren im Meer mussten gegen den starken Wind ankämpfen, welcher an diesem Tag herrschte. So wurde die Fahrt über die Rio-Andirrio Brücke in zweifacher Hinsicht ein Spektakel. In Patras und der Umgebung gab es diverse Berichte von Einbrüchen in Wohnmobile sowie auch von Raubüberfällen, weshalb wir uns entschlossen, die erste Nacht auf einem bewachten LKW Parking zu verbringen. Am nächsten Tag fuhren wir an die Küste und fanden einen schönen und ruhigen Stellplatz direkt am Strand. Die Anfahrt durch Olivenbäume und über Schotterwege war grad just so breit, wie unser Frosch. Am nächsten Tag wagten wir den kurzen Weg über den Strand anstatt erneut über die engen Wege zu fahren. Auf diese Weise kamen wir dann auch zu unserem ersten Ausbuddelabenteuer! Der Sand war, entgegen unserer Einschätzung, doch zu weich und unser Fröschli zu schwer… Ein einheimischer Bauer stand dann plötzlich neben uns, als wir mit der Schaufel den Sand aus dem Weg räumten und bat seine Hilfe mit dem Traktor an. Glücklicherweise war unser erster Versuch, uns mit den getroffenen Massnahmen frei zu fahren dann erfolgreich und dies noch ohne den Einsatz unserer Sandbleche. So stand schliesslich dem Besuch von Olympia, dem Austragungsort der Olympischen Spiele in der Antike, nichts mehr im Weg. Olympia hatten wir im Rahmen unserer Kreuzfahrt im Jahre 2005 bereits besucht und wir versuchten, die damals gemachten Fotos erneut nachzustellen. Dies gelang allerdings nicht überall, da gemäss Informationen vor Ort, gewisse antike Steine in der Zwischenzeit leicht verschoben, respektive rekonstruiert wurden.

Nach einer weiteren ruhigen Nacht an der Westküste der Peloponnes, haben wir vom unweit gelegenen Elea Beach erfahren. Ein freier Campingbereich an dem sich sowohl Reisende als auch Griechenland-Überwinterer gerne aufhalten. So war unsere nächste Tagesetappe nach 15 Minuten auch schon zu Ende und wir schauten uns auf dem Areal um. Beim Elea Beach handelt es sich um ein riesiges Gelände, das für Camper gratis zur Verfügung steht, aber auch keinen Service bietet. Dafür kommen Einheimische mit ihren Autos vorbei und verkaufen lokale Produkte. Der Campingbereich liegt etwas zurückversetzt hinter den Dünen direkt am Meer. Wir kamen rasch ins Gespräch mit vielen sympathischen Reisenden und entschlossen uns kurzerhand nochmals einen Tag an diesem Ort zu bleiben.

Unser nächstes Ziel war die berühmte Ochsenbauchbucht. Eine Meeresbucht mit dem griechischen Namen Paralia Voidokilias, die sowohl durch ihre Form als auch durch das hellblaue, klare Wasser die Besucher anzieht. Leider las man auch dort wieder von gezielten Einbrüchen in Wohnmobile, während die Eigentümer sich die Bucht anschauten. So entschieden wir uns getrennt die Bucht zu besuchen, damit jemand beim Fahrzeug bleiben kann. Am südlichen Ende der Bucht lag auf einem kleinen Hügel die Burg Palaiokastro und wir entschlossen uns, den Hügel zu erklimmen – dieses Mal gemeinsam, da keine negativen Erfahrungsberichte vorlagen. Ein kurzer Spaziergang durch wunderbar blühende und duftende Blumenwiesen mit Blick auf die Küste führte uns hinauf zur Burg, welche aufgrund ihrer Baufälligkeit aber offiziell geschlossen war. Von der Burg aus hatten wir erneut einen wunderbaren Blick auf die Ochsenbauchbucht.

Unsere Fahrt ging weiter südwärts auf dem westlichsten der drei Finger der Peloponnes mit dem Ziel Methoni. Im kleinen Ort Methoni liegt eine der ursprünglich wichtigsten Festungen von Griechenland. Diese ist heute für Besucher zugänglich und umfasst 9.3 Hektaren. Der Abschluss der Festung bildet ein achteckiger Turm, der von drei Seiten vom Meer umgeben ist. Ein älterer Grieche sprach uns vor dem Eingang an und wollte wissen von woher wir kommen. Er sprach nur wenig Englisch und unsere x-fachen Versuche ihm zu erklären, dass wir von Switzerland, Suiza, Svizzera, Schweiz…. seien scheiterten. Bis endlich das Rätsel gelöst wurde – plötzlich meinte der ältere Herr: Helvetica? Ja!!!!! Ein Learning für uns – wenn es mit Switzerland nicht weiter geht, dann probieren wir es mal mit Helvetica :-). In Methoni kamen wir mit deutschen Reisenden ins Gespräch und aus dem morgendlichen „Hallo“ als Parkplatznachbaren wurde spontan ein 2-Stunden Schwatz. Wenn’s passt, dann passt’s! Sie erzählten uns von ihren Erlebnissen während ihrer bisherigen 3-jährigen Reise mit dem Wohnmobil. Diese waren stets positiv bis auf ein Erlebnis am Vortag unweit von Methoni. An einer weiteren Sehenswürdigkeit wurde wiederum von gezielten Einbrüchen in Wohnmobile berichtet. Sie konnten dank der Wachsamkeit und Unterstützung von anderen Reisenden, Diebstahl und Beschädigungen der Fahrzeuge abwenden. Glücklicherweise überwiegen die positiven Erfahrungen aber solche Berichte geben einem dann doch ein flaues Gefühl im Magen, da unser Frosch ja unser „Haus auf Rädern“ ist. In allen bisherigen Ländern, die wir auf unserer Reise besuchten (Italien, Kroatien, Bosnien & Herzegowina, Montenegro und Albanien) hatten wir nie von solchen Erfahrungen gelesen oder berichtet bekommen, weshalb wir bis dahin mit Peloponnes noch nicht wirklich warm wurden. Dies sollte sich aber bald ändern :-).

Der 25. März ist der griechische Nationalfeiertag, an welchem der Beginn des Befreiungskampfes der Griechen gegen die Türken mit zahlreichen Paraden gefeiert wird. An diesem Tag besuchten wir Kalamata, die Hauptstadt des Regionalbezirks Messenien. Die ganze Stadt war auf den Beinen, Kinder und Erwachsene trugen traditionelle griechische Kleider und genossen griechisches Essen in den verschiedenen Restaurants und Tavernen. Auch wir konnten dem köstlichen Essen nicht widerstehen und gesellten uns in ein Restaurant, umgeben von griechischen Familien. Nach dem Mittagessen spazierten wir zum Eisenbahnpark von Kalamata. Dort sind historische Eisenbahnfahrzeuge aus der Zeit der Peloponnes-Bahn ausgestellt. Diese Bahn war Teil der direkten Eisenbahnstrecke nach Athen. Kalamata als Endstation bot aufgrund seines Hafens Zugang zum Schiffsverkehr. Seit 2011 ist allerdings der Eisenbahnbetrieb eingestellt.

Viele andere Reisende hatten vom mittleren der drei Finger der Peloponnes, der Mani-Halbinsel geschwärmt, da die Natur in ihrer vollen Blüte stand. Wir freuten uns sehr, diesen Finger zu erkunden und fuhren die erste gebirgige Passage und kamen schliesslich mit der untergehenden Sonne in Kardamyli an. Kardamyli liegt am Fusse des Taygetos Gebirge und ist eines der ältesten Dörfer der Peloponnes. Altkardamyli wurde nach seinem Verfall wieder restauriert und in einem der Türme ist ein Museum untergebracht.

Am Folgetag fuhren wir durch enge griechische Dörfer und über eine Hochebene bis nach Aeropoli. Ein hübscher Ort mit diversen griechischen Restaurants und Cafés. Unweit von Aeropoli befinden sich die Tropfsteinhöhlen bei Pyrgos Dirou, denen wir einen Besuch abstatteten.

Die Mani-Halbinsel bietet viel Verschiedenes – unter anderem auch das verlassene Dorf Vathia. Eine Familienfehde war der Grund für die Abwanderung der Einwohner. Von unserem Stellplatz aus genossen wir unser Nachtessen draussen mit Blick auf Vathia und den Sonnenuntergang. Am nächsten Tag fuhren wir zur Südspitze der Mani-Halbinsel um zum Leuchtturm des Kap Tenaro zu wandern. Dieses Kap ist der südlichste Punkt des griechischen Festlandes.

Unsere Route führte auf der östlichen Seite der Mani-Halbinsel nordwärts nach Gythio und zum berühmten Schiffswrack Dimitrios. Um dieses Schiff und die Havarie ranken sich einige Mythen. Fakt ist, dass das Wrack seit dem 23.12.1981 an diesem Strand auf Grund liegt und seither vor sich hin rostet.

Unser Weg nach Monemvasia führte durch unzählige Orangenplantagen – links und rechts der Strasse Orangenbäume soweit das Auge reichte! Monemvasia selbst liegt auf einem Felsen vor der Küste, der zirka 200m hoch und rund 1.8 km lang ist. Der Ort ist durch eine schmale Strasse von der Küste aus erreichbar und war früher eine Festung, die lange als uneinnehmbar galt. In Monemvasia selbst gibt es die Unter- und die Oberstadt. Die Oberstadt ist durch einen schmalen und steilen Weg erreichbar.

Monemvasia

In Sparta stand der Besuch des einzigen Olivenmuseums auf dem griechischen Festland für uns an. Im modernen Museum lernten wir einiges über den Olivenanbau und deren Verarbeitung. Touristisch bietet sich in der Stadt zudem der Besuch der antiken Stätte von Sparta an, mit den Überresten der Akropolis, des Theaters sowie der Tempel. Sparta kennt man noch vom Geschichtsunterricht als jene Stadt, dessen Heer die professionellste Landesstreitkraft im antiken Griechenland war.

Unsere Reise führte anschliessend in die zweite Hauptstadt (1829 – 1834) des modernen Griechenlands – Nafplio. Der Tourismus ist heutzutage die wichtigste Einnahmequelle dieser Stadt und die Palamidi-Festung auf dem Burgberg ist eine der Hauptattraktionen von Nafplio. Nach einem reichhaltigen griechischen Frühstück auswärts, waren wir gut gestärkt, um die 999 Stufen hoch zur Festung zu erklimmen.

Nur knapp 30km von Nafplio entfernt liegt die antike Stätte von Epidauros, die seit 1988 UNESCO-Weltkulturerbe ist. Die Stätte zu Ehren des Heilgotts Asklepios und dessen Vater Apollon wurde im Laufe der Zeit zur Pilgerstätte, an der Heilverfahren praktiziert wurden. Die Grösse der Stätte ist beeindruckend und die Hauptattraktion ist das Theater von Epidauros, dessen exzellente Akustik sowohl durch Besucher als auch durch TouristenführerInnen immer wieder auf verschiedene Weise veranschaulicht wird.

Theater von Epidauros

Von Schweizer Reisenden haben wir den Tipp der Methana Halbinsel erhalten, dessen Hauptort Methana als Kurort bekannt war. Leider führten Misswirtschaft und Bürokratie sowie fehlende Innovationen dazu, dass die Halbinsel als Kurort heute nicht mehr wirklich touristisch genutzt wird. Das grosse und zentral gelegene Schwefelbad im Hauptort ist aufgrund seiner Baufälligkeit geschlossen. Die Halbinsel ist eine Vulkaninsel, auf der es diverse schwefelhaltige Thermalquellen wie auch versteinerte Lava gibt.

Unsere letzte Station auf der Peloponnes war Korinth respektive der Korinth-Kanal. Unser Stellplatz direkt am Kanal hätte theoretisch die perfekte Aussicht auf vorbeifahrende Schiffe im Kanal geboten. Leider ist die Schifffahrt aufgrund eines Erdrutsches im Januar 2021 eingestellt. Der 6.3km lange Kanal wurde von 1881 – 1893 gebaut und ermöglichte die Vermeidung der Umfahrung der Peloponnes von rund 400km. Vor der Schliessung wurde er hauptsächlich noch für private Yachten und Touristenschiffe benutzt.

Unsere bisherige Reiseroute

Unsere Reiseroute in Griechenland bis Peloponnes

2 Kommentare zu „Peloponnes

  1. Mit Spannung lese ich jeweils Euren Blog. Vielen Dank, dass Ihr uns an Eurem Abenteuer teilhaben lasst. Weiterhin gute Fahrt und viele spannende Abenteuer und Begegnungen.

    Herzliche Grüsse
    Karin

    Gefällt 1 Person

  2. EIn schöner und informativer Beitrag. Jetzt wissen wir endlich woher die Punker ihre Frisuren kopiert haben………nämlich von der Kriegerstatue von Sparta 😉
    Nun geniesst ihr schon Istanbul und fährt auf dem Bosporus herum wo euch sogar Delfine begleiten. Sooooo cool.
    Weiterhin gute Fahrt un e liebe Gruess usem sonnige und warme Seeland.
    Judith und Heinz

    Gefällt 1 Person

Hinterlasse eine Antwort zu Frutiger Judith und Heinz Antwort abbrechen