Türkei – Mittelmeerregion, Zentral- und Ostanatolien sowie Schwarzmeerregion

Unsere Reise führte uns zurück an die Küste in die Region Fethiye und Kas. Diese, vor allem bei Engländern sehr beliebte Feriendestination, wartete mit schönen Promenaden und Stränden sowie tiefblauem Wasser und entsprechender touristischer Infrastruktur auf uns. In Fethiye haben wir erstmalig Felsengräber gesehen. Auf unserer Weiterreise der Küste entlang machten wir einen kurzen Halt in der antiken Stadt Myra. Myra ist aufgrund der Nikolauskirche auch Wallfahrtsort und bekannt für die in den Felsen gehauenen Grabkammern.

Wir freuten uns sehr auf die Feuerberge bei Cirali und steuerten diese auf ziemlich direktem Weg an. Cirali ist ein hübscher Ort an dessen Südende die antike Stätte Olympos und im Norden die Feuerberge – Mount Chimaera liegen. In Cirali gibt es einen grossen Platz für Wohnmobile und als wir dort ankamen, waren nebst einheimischen Campern auch eine Schweizer Familie aus Genf mit einem Expeditionsmobil vor Ort. Wir gesellten uns zu Ihnen und erfuhren, dass sie während der letzten acht Monate Afrika bereist hatten. Sie erzählten uns von ihren Erfahrungen sowie den Verschiffungsmöglichkeiten. Am Abend fuhren wir mit unseren Velos und einem Rucksack voll Proviant zu den unweit gelegenen Feuerbergen. An dieser Stelle tritt Gas aus dem Gestein aus und bietet sowohl bei Tag als auch bei Nacht ein Naturspektakel. Wir liessen es uns nicht nehmen am ewig brennenden Feuer ein paar Würste zu grillieren. Ein einmaliges Erlebnis! Da unsere Klimaanlage nicht so tut wie sie sollte, erfolgte am nächsten Tag, nach Rücksprache mit dem Klimaspezialisten in der Familie, ein Reparaturversuch. Unser Campernachbar aus Genf beobachtete unsere Aktivitäten und bot kurzerhand seine Hilfe an. Es stellte sich heraus, dass er ein Profimechaniker ist, der noch dazu entsprechendes Spezialwerkzeug bei sich hatte. Am Abend blickten wir auf einen interessanten Mechanikertag zurück und sassen mit der Genfer und einer Französischen Familie bei einem gemütlichen Abendessen, bei dem wir unsere Französischkenntnisse wieder auffrischen konnten.

Am Folgetag machten wir uns auf den Weg zum Göynük Canyon. Dort gibt es eine kleine Wanderung entlang des Flusses. Den Canyon kann man leider nur mit geführten Paddeltouren besuchen, was wir schliesslich sein liessen.

Unsere Route führte weiter in Richtung Antalya und Side. In dieser Region zeigte sich ein komplett anderes Bild der Türkei. Riesige Hotelkomplexe und Aquaparks kombiniert mit Souvenirshops, bei denen die Preise in Euro statt türkischer Lira angeschrieben waren. Wir beschlossen, wieder ins Landesinnere zu fahren und schon bald befanden wir uns auf fast 2’000 Meter über Meer. Immer wieder beeindruckt sind wir vom gut ausgebauten Strassennetz der Türkei – dies auch in weniger frequentierten Gegenden. Nach einem Fahrtag durch die Weiten der Türkei erreichten wir Konya. Wir parkierten unseren Frosch zwischen türkischen Campern auf einem gut ausgestatteten Stellplatz, welcher gratis zur Verfügung gestellt wird. Schnell kamen wir ins Gespräch mit den Nachbarn, welche in Istanbul auf dem Grand Bazaar arbeiten und aktuell Ferien im Landesinnern machten.

Sultanhani war unser nächster Stopp auf der Fahrt Richtung Salzsee und der Region Kappadokien. Sultanhani ist eine Karawanserei, die im 11. Jahrhundert gegründet wurde und Reisenden auf der historischen Seidenstrasse einen Ort bot um Rast zu machen, um sich und die Tiere zu verpflegen und sicher zu nächtigen. Wir steuerten den gut bewerteten Campingplatz an, der auch über eine Waschmaschine verfügte. So hingen kurz nach Ankunft bereits die ersten Wäscheleinen um unseren Frosch. Der Campingplatz besteht seit über 50 Jahren und es war interessant die Kommentare im Gästebuch aus den Jahren 1967 zu lesen und entsprechend im Fotoalbum des Campinginhabers zu stöbern.

Der Tuz Gölü ist der zweitgrösste See in der Türkei und noch dazu ein Salzsee. Die Salzfabriken am See produzieren die Mehrheit des in der Türkei verspeisten Salzes. Dieser See hat keinen Abfluss und er wird aus dem Grundwasser sowie dem Regenwasser gespiesen. Man kann in den See waten und läuft statt auf einer Sand- auf einer Salzschicht und kriegt während des Spaziergangs noch eine heilende Salzwasserbehandlung. Dürre und Trockenheit führten dazu, dass der See in den letzten 15 Jahren zwei Mal vollständig ausgetrocknet war.

In der Region Kappadokien gibt es sehr viele Sehenswürdigkeiten. Nebst wunderschönen Flussläufen, die zum Wandern einladen gibt es auch in den Fels gehauene Dörfer sowie Untergrundstädte mitten in Ortschaften. Diese Städte reichen bis zu acht Stockwerke in den Boden und boten ursprünglich tausenden Menschen eine Wohngelegenheit. Die Hauptattraktion der frühmorgens startenden Heissluftballons über den einmaligen Felsformationen bei Göreme war aber auch für uns das absolute Highlight dieser Gegend.

Das Ihlara Tal bot uns eine wunderschöne Übernachtungsmöglichkeit im Flusstal umringt von steilen Felswänden, in welche Felsenkirchen und Felsenmoscheen gehauen sind. Entlang dem Fluss wanderten wir ca. 5km bis zum Selime Cathedral.

Selime Cathedral ist ein in den Fels gehauenes Kloster und mitunter eines der wichtigsten Kulturgüter in der Region Kappadokien. Im Fels befindet sich nebst der riesigen Kirche auch eine Küche sowie einen Weinkeller.

Die unterirdische Stadt Derinkuyu reicht rund 8 Stockwerke in die Tiefe und liegt mitten in der Ortschaft. Runde bewegliche Steintore wurden dazu verwendet, die jeweiligen Stockwerke voneinander zu trennen. Die unterirdische Stadt bot mehreren tausend Personen Platz und beinhaltete nebst Wohnräumen auch Lager, Weinkeller, Kirchen etc.

Die Felsformationen im Umkreis von Göreme sind einmalig und erinnern an die Nationalparks der USA. Mit dem Wohnmobil kann man direkt an die Kanten des Rose Valley und Red Valley im Osten von Göreme sowie das Love Valley im Westen fahren und auch nächtigen. Morgens zwischen 4 und 5 Uhr steigen die Heissluftballone in die Luft und bieten ein atemberaubendes Schauspiel direkt vor der Haustüre. Wir zählten am zweiten Tag unseres Aufenthalts 63 Heissluftballone in der Luft wobei noch einige am Boden standen. Kaum vorzustellen wie viele Ballons in der Hauptsaison zu sehen sein werden! In einem Korb haben rund 25 Passagiere Platz. Bei einem Preis von 130 Euro (Vorsaison) gibt dies doch einen nicht unrelevanten Umsatz an jedem Flugtag.

Im Freilichtmuseum von Göreme, das seit 1985 auf der UNESCO Liste der Weltkulturerbe steht, kriegt man Einblick in die Geschichte und Entwicklung der Region Kappadokiens. Über 30 Felsenkirchen und Felsenkathedralen können besucht und ihre noch existierenden Fresken besichtigt werden.

Das Freilichtmuseum Zelve besteht aus drei Tälern, in denen sich wiederum eine Höhlenstadt befindet. Wohnräume, Kirchen, Wirtschaftsräume etc. sind meist durch Stollen miteinander verbunden. Bis in die 1950er Jahre waren die Höhlensiedlungen bewohnt.

Im Pasabaglari Museum sind Felsformationen in Pilzform zu bestaunen – auch Feenkamine genannt.

Nach wundervollen drei Tagen in Kappadokien machten wir uns auf den Weg nach Erzerum um unser Iranvisum abzuholen. Über 800km lagen vor uns. Unterschiedliche Landschaften zierten das Bild – Landwirtschaft, Berge, Täler. Das touristische Angebot entlang unserer Route bestand hauptsächlich aus landschaftlichen Sehenswürdigkeiten wie bspw. Canyons oder Nationalparks. In der Nähe von Tunceli suchten wir im Munzur-Vadisi-Nationalpark einen Übernachtungsplatz auf. Dieser Nationalpark ist einer der grössten und artenreichsten in der Türkei und verfügt über diverse Höhlensysteme und Thermalquellen. Der Park ist noch nicht touristisch erschlossen und Wanderwege etc. sind keine ausgeschildert – dafür hat man Natur in ihrer Ursprünglichkeit.

In Erzerum angekommen stellten wir uns auf einen zentral gelegenen Parkplatz, von dem man zu Fuss in die Stadt gelangen konnte. Als wir ankamen war bereits ein deutscher und ein französischer Camper vor Ort. Bei einem kurzen Schwatz mit dem französischen Pärchen kriegten wir noch Tipps bzgl. der Abholung des Visums auf dem iranischen Konsulat. Am nächsten Tag standen wir bei Öffnung des Konsulats mit unseren Unterlagen in der Warteschlange. Gegen Mittag hatten wir das Visum in der Hand und machten uns auf zum Kleidershopping für Manuela – denn nebst dem Kopftuch sollen Frauen im Iran auch luftige, nicht enganliegende Kleidung tragen. Mit einem neuen Outfit in der Tasche machten wir uns schliesslich auf den Weg in Richtung Berge. Unser Übernachtungsplatz lag auf einer Passhöhe auf 2’400 Meter über Meer. Die Kühle und Ruhe an diesem Übernachtungsort liessen uns wie Murmeltiere schlafen und wir beschlossen direkt nochmals eine Nacht zu bleiben. An diesem Ort kamen auch wieder Pulli, Jacke, Schal und Kappe zum Einsatz und wir zogen uns nach Sonnenuntergang schnell in den warmen Frosch zurück. Während den zwei Tagen auf der Passhöhe hielten Aargauer bei uns an, welche auf Verwandtenbesuch im nächsten Dorf waren und kaum glauben konnten, dass sich Schweizer hier in den Bergen verirrten. Sie gaben uns Tipps für unsere Weiterreise und einmal mehr wurden wir mit frischen Früchten beschenkt.

An der Schwarzmeerküste bei Rize liegt das türkische Teeanbaugebiet. Die Teeplantagen befinden sich an den Hängen und in der Ebene wird der Tee in den Teefabriken verarbeitet. Der grösste Teeproduzent ist das staatliche Unternehmen Caykur. Wir besuchten mit dem Taxi eine Teeplantage, da die Wege dorthin nicht für die Dimension unseres Frosches ausgelegt waren. Wir liessen das satte Grün der Gegend sowie die Nahansicht und den Duft der Teepflanzen auf uns wirken und genossen natürlich noch einen Cay.

Nach dem Besuch der Teeplantage beschlossen wir wieder ins Hinterland der Schwarzmeerküste, in die Berge, zu fahren. Unser Ziel war der Tortum Wasserfall. Dieser Wasserfall ist 48 Meter hoch und entstand weil sich das Wasser, nach einem Erdrutsch, einen neuen Weg ins Tal gesucht hat.

Nach einer ruhigen Nacht auf dem Parkplatz des Wasserfalls ging unsere Reise weiter landeinwärts zu den Regenbogenbergen. Diese wurden uns von den Aargauern auf der Passhöhe bei Erzerum empfohlen. Regenbogenberge gibt es an verschiedenen Orten der Welt. Sie entstehen durch die Erosion der Mineralien im Berg, allfällige vulkanische Aktivität im Boden sowie durch die natürliche Verwitterung.

Da wir nicht die gleiche Strecke zurück an die Küste fahren wollten, nahmen wir einen Umweg in Kauf. Es stellte sich heraus, dass sich die längere Strecke voll und ganz gelohnt hatte, denn die Fahrt über Ardahan und Savsat wartete mit abwechslungsreicher und überraschender Natur. So fanden wir uns plötzlich in einer Berglandschaft wieder, die mit dem Schwarzwald zu vergleichen war. Kilometerweite Wälder, frische Luft und das Glockengeläute von unzähligen Kühen empfingen uns an unserem nächsten Übernachtungsplatz auf 1’900 Meter über Meer.

Wir verlassen die Türkei nach 1.5 Monaten mit durchwegs positiven und schönen Erinnerungen sowohl an die unzähligen Sehenswürdigkeiten, die endlosen Weiten, die fabelhafte Strasseninfrastruktur, die unterschiedliche und abwechslungsreiche Natur aber insbesondere die Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Einwohner. Wir kommen gerne wieder um weitere Ecken im Land zu entdecken!

Reiseroute bisher

Ein Kommentar zu “Türkei – Mittelmeerregion, Zentral- und Ostanatolien sowie Schwarzmeerregion

  1. Immer wieder tolle Bilder und interessante Texte. Herzlichen Dank Manuela und Stefan, dass Ihr uns teilnehmen lässt.
    Liebe Grüsse aus dem sommerlichen Brunnen
    Norbert

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