Saudi Arabien – der Süden

Nach unserer unbeschreiblich fantastischen Zeit im Oman, taten wir uns sichtlich schwer die Fahrt Mitte November an die Grenze anzutreten. Als wir beim neuen Grenzübergang zwischen Oman und Saudi Arabien ankamen, wurden wir herzlich von den Zöllnern begrüsst und bevor irgendwelche Dokumente geprüft wurden, erhielten wir von den saudischen Beamten zuerst einmal ein Mittagessen (zwei Mal Reis mit Poulet und Gemüse), Getränke sowie warmem Kaffee gereicht. Wow – eine solche Begrüssung an einem Zoll hatten wir bisher noch nirgendwo! Die Formalitäten waren schnell erledigt, die Fingerabdrücke eingereicht und schon kurz darauf fanden wir uns an der mobilen Tankstelle des Grenzübergangs wieder. Vor uns lag die 600km lange Fahrt durch die Wüste, bei der es keine Tankstellen gab und die Beamten wollten sicherstellen, dass alle Fahrzeuge über genügend Treibstoff verfügten. Mit unseren Total 600 Liter Tankkapazität waren wir für die nächsten 3000km sorgenfrei unterwegs. Übrigens kostete der Liter Diesel in Saudi Arabien knapp 15 Rappen.

Nach dem Mittagessen starteten wir mit der Fahrt durch die Rub al-Khali Wüste. Die Strasse war in einem sehr gutem Zustand und wir kamen gut voran. Als Übernachtungsplatz diente uns ein einfacher Rastparkplatz, der leider sehr stark zugemüllt war. Als wir am nächsten Morgen aufwachten, staunten wir nicht schlecht, als dichter Nebel uns umgab. Glücklicherweise führte unsere Strasse schon bald in die Morgensonne und wir hatten einen wunderbaren Blick auf das Nebelmeer. Wow – ein Nebelmeer in der Wüste – so etwas hatten wir bisher noch nie gesehen.

Wir setzten unsere Fahrt durch das Empty Quarter – wie dieser Bereich von Saudi Arabien auch genannt wird – fort und sahen immer wieder Bulldozer am Strassenrand, die ihr Bestes taten um die Dünenwanderung zu stoppen. Sie befreiten die Strasse vom Sand um die Verbindung zwischen Oman und Saudi Arabien aufrecht zu erhalten. Teilweise sahen wir auch eine alte Strasse, die allerdings mehrheitlich mit Sand bedeckt war und nur noch ab und an der Asphalt ersichtlich war.

Als wir wieder in der Zivilisation ankamen, war unsere erste Aufgabe eine saudische SIM Karte zu organisieren. Beim ersten Laden sprach niemand Englisch aber wir konnten uns auf Arabisch verständigen und erfuhren schliesslich, dass es an diesem Tag hier nicht möglich war, eine SIM zu kaufen. Wir fuhren weiter nach Salwa, dem Grenzort zu Katar an der Ostküste. Aufgrund der bevorstehenden Fussball-Weltmeisterschaft waren entsprechend viele Polizeikräfte im ganzen Ort präsent. Wir konnten schliesslich eine SIM Karte kaufen und gönnten uns ein Mittagessen im Kudu – einer saudischen Restaurantkette, die sich auf Pouletgerichte spezialisiert hatte. Stefan kannte diese Restaurantkette von früheren Besuchen in Saudi Arabien. Im Unterschied zu damals gab es nicht mehr zwei Eingänge (einer für Männer und einer für Familien) und die Frauen waren nicht mehr komplett verhüllt. Zeichen der Entwicklung der letzten Jahre, in der die Öffnung des Landes voranschritt. Wir fuhren anschliessend zum Strand und fanden einen schönen Stellplatz direkt am Meer. Nach einer ruhigen Nacht erhielten wir am Folgetag Besuch von zwei Saudis, die uns erzählten, dass sie den ersten RV Park in Saudi Arabien eröffnet hätten und wir doch bei ihnen vorbeischauen sollen, sobald wir in ihrer Gegend seien.

Unweit von Salwa – etwas im Landesinnern – liegt die Stadt Hofuf. Auf der Fahrt dorthin sahen wir immer wieder verlassene und heruntergekommene Tankstellen, die nicht mehr in Betrieb waren und die allmählich von der umliegenden Wüste eingenommen wurden. Ebenfalls gab es in dieser Gegend viele Polizeipatrouillen, wohl aufgrund der anstehenden Fussball-Weltmeisterschaft in Katar. Die Fahrweise der Saudis war wieder unberechenbarer und nicht mehr so ruhig wie im Oman. Dies zeigte sich auch an zahlreich ausgebrannten Fahrzeugen am Strassenrand, zudem sahen wir leider auch einen schweren LKW Unfall.

In Hofuf besuchten wir den Al Qarah Berg (UNESCO Weltkulturerbe) sowie das Land of Civilizations. Einen Teil der speziellen Gesteinsformationen und Höhlen im Berg wurde für Touristen hergerichtet. Die Ausstellung gibt Auskunft über die Geschichte des Landes, seine Religion und Kultur. Ein Mitarbeiter führte uns durch die Ausstellung und überreichte uns am Schluss eine Willkommensbox von Saudi Arabien. Die Geschenkbox für Touristen enthielt diverse Broschüren über das Land, seine Vision 2030, die Religion sowie arabischen Kaffee und Datteln und ein englisches Exemplar des Korans.

Nur unweit des Land of Civilizations gab es einen Nationalpark, in dem wir einen schönen Übernachtungsspot fanden, bevor wir am nächsten Tag an den gelben See fuhren. Dieser See ist umgeben von Sanddünen und befindet sich im Sumpfgebiet im Osten des Landes. Er bietet vielen Vögeln einen Lebensraum. Der Anfahrtsweg ist nicht ausgeschildert und erfordert ein 4×4 Fahrzeug. Wir suchten uns auf dem Satellitenbild eine mögliche Strecke zum See. Als wir in das Gebiet einbogen offerierte uns ein Herr mit seinem Pickup vorzufahren. Kurz bevor der Sand noch weicher wurde, vergewisserte er sich, dass wir über ein Allradfahrzeug verfügten. Doch bald darauf war es schon zu spät – unser Frosch versank im weichen Sand und die Allradtechnik kam leider nicht gegen das Gewicht und den weichen Sand an. Noch mehr Luft ablassen, Sand wegschaufeln, alles half nichts. Schliesslich kamen die Sandbleche zum Einsatz. Wir konnten uns damit gut befreien, aber selbstverständlich dauerte es seine Zeit, bis unser Frosch wieder fahrbereit war (Aufpumpen der Pneus, Montage der Sandbleche). Der nette Herr half uns dabei und nach rund anderthalb Stunden waren wir raus aus der misslichen Lage. Der Saudi offerierte uns eine Fahrt in seinem Pickup, damit wir den gelben See dann doch noch sehen konnten. Die Fahrt über die Sanddünen glich einer Ralleyfahrt in der Wüste. Schliesslich kamen wir heil beim See an. Aus unserer Sicht ein schöner See, wobei sich die Mühen der Anfahrt nicht wirklich ausbezahlt haben.

Unsere Route führte uns weiter nordwärts nach Uqair. Am Uqair Beach lag auch dieser erste RV Park von Saudi Arabien, zu dem wir einige Tage zuvor eingeladen wurden. Es war eine schöne Anlage bei der es in jeder Nische für Wohnmobile auch einen eigenen Wasseranschluss gab. Nebst internationalen Gästen (Franzosen, Rumänen) waren auch saudische Camper bereits auf dem RV Park stationiert. Der Eigentümer war nicht vor Ort und die Camper teilten uns mit, wir könnten einfach in einer freien Nische parken. Kurz nachdem wir unseren Frosch parkiert hatten, informierte uns der Campernachbar, dass dieser Platz für ihn reserviert sei. Er selbst stehe allerdings momentan auf einem anderen Platz. Man müsse sich auf einer saudischen Internetseite mit einer saudischen ID registrieren. Das heisst als Tourist hat man keine Möglichkeit den Platz zu reservieren. Somit könnte es sein, dass wir um Mitternacht den Platz räumen müssten, damit diejenigen, die einen Platz reserviert hätten, parkieren könnten. Auf dieses komplizierte System sowie auch auf den lauten Dieselgenerator für die Klimaanlage des Nachbarcampers konnten wir verzichten und so verliessen wir bereits nach 15 Minuten diesen RV Park wieder. Nur unweit davon fanden wir einen ruhigen Platz mit Sicht auf das Meer, wo wir schliesslich die nächsten zwei Nächte verbrachten.

Weiter nördlich befand sich die Halfmoon Bay und die Städte Al-Khobar sowie Dammam. Am Strand der Halfmoon Bay gab es überall gute Infrastruktur mit Picknickhäuschen, fix installierten Grills, Wasser etc. In Al-Khobar fuhren wir der Corniche entlang zum Wahrzeichen, dem Wasserturm. Dieser war allerdings bereits ziemlich in die Jahre gekommen und bedürfte einer Renovation. Der Übergang von Al-Khobar nach Dammam ist fliessend – die Städte verschmelzen förmlich ineinander.

Das neueste Gebäude in der Stadt Dammam ist Ithra – World of Cultures. Dieses hochmoderne Gebäude beinhaltet eine Bibliothek, Ausstellungen, Kinos etc. Der gesamte Komplex ist durch Security gesichert und beim Eingang wurden die Fahrzeuge kontrolliert. Als der Sicherheitsmann mit dem Maschinengewehr den Lieferwagen vor uns zur Seite winkte um dessen Inhalt zu prüfen, machten wir uns auch auf eine Inspektion des Froschs gefasst. Doch der Chef Security meinte nur, er habe uns bereits auf Tik Tok gesehen (obwohl wir gar keinen Tik Tok Account haben) und es sei alles ok – wir dürften passieren und sollen zum Parking 3 fahren, denn dieses Parking sei am besten für uns geeignet. Es kam uns ein wenig vor wie im Iran, wo die Leute auch schon vor unserer Ankunft im Ort wussten, dass ein internationaler Camper unterwegs war. Der Umgang mit Social Media ist in Saudi Arabien ziemlich offen und viele Leute filmen andere um es dann auf die Plattformen zu stellen – so kamen wohl auch wir auf Tik Tok. Mit Einbruch der Dunkelheit strömten zahlreiche Einheimische ins Ithra-Center. Die wunderschöne neue Bibliothek war ziemlich gut besucht. Junge Frauen und Männer lernten nebeneinander und die Studentinnen trugen ihr Kopftuch teilweise nur im Nacken oder gar nicht. Ein solches Miteinander der Geschlechter sowie auch der weniger konservative Kleidungsstil wäre früher in diesem Land nicht denkbar gewesen.

Unser nächstes Ziel war die Hauptstadt Riad im Landesinnern. Wir wurden bereits vorgewarnt, dass der Verkehr in dieser Stadt ziemlich chaotisch sei. Da wir Mitte Dezember in die Hauptstadt zurückkamen, sparten wir uns das Sightseeing auf das nächste Mal auf und nutzten die Zeit in Riad um Dinge zu erledigen, wie Wäsche waschen oder einen Servicetermin mit der Mercedeswerkstatt zu vereinbaren. Unser Plan war, dass der Frosch während unserer Abwesenheit (wir planten die Weihnachts- und Neujahrszeit in der Schweiz zu verbringen) einen Service in der Werkstatt erhielt und so einen entsprechenden Standplatz hatte. Der Termin war schnell und unkompliziert vereinbart und wir waren froh die Stadt und den wilden Verkehr wieder hinter uns lassen zu können.

Ein bekanntes touristisches Highlight in Saudi Arabien ist das Edge of the World, nördlich von Riad. Die Anfahrt dorthin war nicht ganz einfach. Einerseits mussten wir ausgetrocknete Flussbette durchqueren, andererseits mussten künstlich angelegte Blockaden überwunden werden. Anscheinend wollen die Behörden die Zufahrt zum Edge of the World schliessen bzw. begrenzen. Nach mehreren Stunden Offroadfahren erreichten wir eine tolle Stelle, kurz vor dem Edge of the World, mit fantastischer Aussicht und machten uns mit den Velos auf, die Gegend zu erkunden. Als wir beim Edge of the World ankamen, hatten wir dieses ganz für uns alleine. Wir genossen die Aussicht und liessen es uns nicht nehmen, auf die zwei Türme zu steigen. Dort oben auf diesen Felstürmen zu stehen und über die tolle Landschaft zu blicken war ein einmaliges Gefühl! Gegend Abend kamen dann organisierte Jeeptouren um den Sonnenuntergang an diesem schönen Ort anzuschauen. Es wimmelte von Touristen und leider hinterliessen diese nicht nur ihre Fussabdrücke sondern auch Abfall. Aufgrund der vielen Leute auf den Türmen verzichteten wir auf einen Besuch am Abend und genossen diese lieber wieder am Folgetag alleine.

Aussicht vom Stellplatz

Saudi Arabien ist etwa sechs Mal so gross wie Deutschland – entsprechend waren die zu überwindenden Distanzen oft riesig und wir verbrachten viele Stunden im Cockpit. Unser nächstes Ziel war der Al Wahba Vulkankrater, den wir nach 2 Tagen und 10 Stunden Fahrt erreichten. Der Al Wahba Krater ist mit rund 250 Metern der tiefste und einer der grössten in Saudi Arabien. Der Abstieg in den Krater ist nicht erlaubt aber man darf direkt am Rande des Kraters stehen und campen. Wir blieben zwei Nächte und lernten andere Schweizer Reisende kennen, mit welchen wir noch weitere Etappen in Saudi Arabien bereisen würden.

Unser nächstes Ziel lag an der Westküste von Saudi Arabien – die KAEC – King Abdullah Economic City. Dabei handelt es sich um ein grosses Projekt, das 2005 ins Leben gerufen wurde. Eine neu gebaute Stadt nördlich von Dschidda, die als Lebens- und Arbeitsort dienen soll. Sie soll einen Beitrag leisten, um das Land weniger abhängig vom Öl zu machen, indem sich Investoren ansiedeln, welche die Diversifikation der Wirtschaft vorantreiben. Etwas ausserhalb der Stadt am Roten Meer liegt eine Station des Hochgeschwindigkeitszuges, der seit 2018 die Städte Mekka, Medina, Dschidda und KAEC verbindet. KAEC soll für rund 2 Millionen Menschen ausgelegt sein. Die Einwohnerzahl betrug im Jahr 2018 aber lediglich 7000 Einwohner. Die Beamten beim Gate an der Stadteinfahrt liessen uns leider nicht passieren, da wir keine Reservation hatten und sie fanden, dass unser Frosch zu gross sei für die Stadt. Von anderen Reisenden haben wir später erfahren, dass es eine schön angelegte Stadt mit Vergnügungsmöglichkeiten und Restaurants sei, die aber leider aufgrund der fehlenden Einwohnern nicht lebt.

Wir fuhren weiter nach Thuwal, einer Universitätsstadt, deren Strand ein beliebtes Reiseziel in Saudi Arabien ist. Wir konnten direkt am Beach parkieren und taten es den Einheimischen gleich, indem wir unsere Sitzgelegenheiten aufstellten und ein Picknick genossen. Von einer saudischen Familie wurden wir mit arabischem Kaffee und Süssigkeiten versorgt und die jungen Mädchen nutzten die Gelegenheit, mit uns ein paar Worte auf Englisch zu wechseln. Sie wurden begleitet und motiviert durch das Dienstmädchen der Familie, welches aus Kenia stammte. Der Strand verfügte über Infrastruktur (Duschen, Picknickhäuschen etc.) und war sehr gut besucht. Nach einer ruhigen Nacht war der Strand am nächsten Morgen leider mit Abfall zugedeckt. Nur die Wenigsten nahmen ihren Müll wieder mit oder entsorgten ihn in den Containern. Wir waren wirklich schockiert ab dem Anblick. Glücklicherweise nahm sich eine Putzequipe dem Abfall an und säuberte den Strand. Ein wenig weiter südlich besuchten wir einen anderen Strand der leider über keine Reinigungskräfte verfügte – entsprechend übel sah es aus. Wir wagten keinen Schritt aus dem Frosch und verliessen den Ort sofort wieder. Für uns ist es wirklich unverständlich, wie mit dem Abfall in diesem Land umgegangen wird.

Die Westküste von Saudi Arabien ist bekannt für tolle Schnorchel- und Tauchdestinationen am Roten Meer. Die grossartige Unterwasserwelt beginnt teilweise nur wenige Meter vom Strand entfernt. Wir verbrachten einen Tag in einem Privatclub, der nur für Ausländer oder Saudis mit Jahresabo zugänglich ist. Dieser Privatclub ist westlich geprägt, entsprechend konnten wir uns im Bikini und Badehose frei bewegen. Der Club verfügte über einen Privatstrand mit glasklarem Wasser sowie einem Steg, der direkt zum Schnorchel- und Tauchplatz führte. Über eine Treppe gelangten wir ins Wasser und fanden ein tolles Riff und viele Wassertiere vor. Wir genossen den Strand- und Schnorcheltag und die farbenfrohe Unterwasserwelt sehr.

In Dschidda war ein Treffen mit Stefans saudischem Kollegen geplant. Zunächst trafen wir ihn in seinem Büro. An der Wand hingen viele Fotos mit Prominenten und natürlich die Frontseiten seines Magazins, das er in Saudi Arabien publiziert. Er stellte uns seinem Sohn vor und lud uns anschliessend zu sich nach Hause für ein Nachtessen sowie für einen gemeinsamen TV Abend mit dem Fussballmatch der Schweiz ein. Als wir bei ihm zu Hause ankamen, wurden wir zunächst in die grosse Stube gebeten, in der die Gäste empfangen werden. Die Stühle waren in einem grossen Kreis angeordnet und wir erhielten Getränke und lernten seine Ehefrau und weitere Söhne kennen. Anschliessend verschoben wir uns in das Esszimmer und wurden mit saudischen Spezialitäten verwöhnt. Unter anderem wurde uns ein Geisslein serviert. Nach dem Essen fuhren wir mit dem Lift in den obersten Stock auf die Terrasse, auf der sich ein traditionelles Zelt befand. In diesem klimatisierten Raum mit vielen Sitzgelegenheiten am Boden und einem grossen TV schauten wir der Schweizer Nationalmannschaft bei Tee und arabischem Kaffee sowie Desserts zu. Wir übernachteten unweit des Kollegen in einem ruhigen Quartier und fuhren für das Frühstück an die Corniche. Viele Leute starteten den Tag in den Pärken der Corniche und wir kamen mit einigen Einheimischen ins Gespräch. Nach der obligaten Frage woher wir kommen, folgte sehr oft die Frage, ob wir Muslime seien. Dies war für uns etwas ungewohnt, denn auf unserer bisherigen Reiseroute war dies nie ein Thema. Als wir schliesslich von einem Araber aufgefordert wurden, Verse aus dem Koran nachzusprechen, war für uns der Moment gekommen, um weiterzuziehen.

Wir fuhren zum grossen Parkplatz bei der Altstadt um diese zu besichtigen. Aktuell wird grosser Aufwand betrieben, um die Altstadt zu renovieren und für Touristen attraktiv zu machen. Die Altstadt von Dschidda war Stefan aus früheren Besuchen als Ort in Erinnerung, an dem die alten Häuser in sich zusammenfielen und die Einheimischen nicht wirklich viel Interesse daran zeigten. In der Altstadt findet man die traditionellen Häuser mit ihren Holzgitterbalkonen. Die sogenannten Mashrabiya sind Belüftungssysteme, die sich über die gesamte Gebäudefassade erstrecken und sowohl der Privatsphäre und Belüftung als auch der Beleuchtung und Entfeuchtung dienen. Die Schnitzereien dieser Holzbalkone verleihen der Altstadt einen speziellen Glanz. Bei unserer Vorbereitung haben wir gelesen, dass es in der Altstadt eine 200 Jahre alte Bäckerei gibt, der wir natürlich einen Besuch abstatten wollten. Beim ersten Anlauf fanden wir sie nicht. Beim zweiten Mal leitete uns der Duft des frischen Brotes und wir entdeckten die Bäckerei. Vom Gehweg mussten wir ein paar Schritte hinunter in eine Art Keller machen und konnten uns dort direkt mit frischem Brot eindecken.

Nach der Altstadtbesichtigung fuhren wir noch zum Formel 1 Circuit und anschliessend aus der Stadt hinaus zum Moonvalley. Das Moonvalley ist ein Gebiet nordöstlich von Dschidda, das aussieht wie eine Mondlandschaft. Spontan trafen wir uns mit den anderen Schweizer Reisenden vom Al Wahba Krater wieder und verbrachten einen tollen Abend in der Mondlandschaft mit Lagerfeuer und gemeinsamem Nachtessen. Diese Idylle wurde nur leider wiederum durch den Müll getrübt, der sich auch hier in der Natur an jeder Ecke befand.

Am nächsten Morgen trennten sich unsere Wege wieder – wir fuhren nach Süden, die anderen nach Osten. Es ist nicht erlaubt, als nicht muslimischer Tourist die Stadt Mekka oder Medina zu besuchen. Als wir uns der Stadt Mekka näherten, sahen wir diverse Schilder, die das Abbiegen für nicht Muslime verboten. Wir nahmen die Transitstrassen und sahen viele riesige Pilgercamps und Wartebereiche, die während dem Hadsch, der islamischen Pilgerfahrt, genutzt werden. Dabei auffällig war, dass sich die Camps in Regionen einteilten – so war ein Camp bspw. beschriftet mit: Iranian Pilgrims, ein nächstes mit Asian Pilgrims etc. Da unsere Mägen knurrten, hielten wir an einer Raststätte an. Es zeigte sich das übliche Bild – diverse kleine Kaffee- und Food-Drive-Through-Häuschen, die stark besucht waren, wobei die Innenräume der Restaurants, falls es diese überhaupt gab, praktisch leer waren. Wir setzten uns in ein Restaurant und sahen eine Gruppe junger saudischer Frauen. Die Frauen trugen ihre schwarze Abaya mit Kopftuch und Gesichtsschleier bei dem nur die Augen sichtbar waren. Sie nahmen mit Manuela Blickkontakt auf, kamen schliesslich bei uns vorbei, um Manuela Komplimente für ihr Aussehen zu machen.

Nach dem Mittagessen hatten wir das Ziel, einen Pass zu befahren, der mit einer vierspurigen Strasse ausgestattet war. Unsere Recherchen haben aber gezeigt, dass die Polizei teilweise nicht erlaubt, den Pass mit grösseren Fahrzeugen zu befahren. Leider ging es auch uns so und wir mussten beim Checkpoint wieder umdrehen. Die Alternativroute war ein anderer, nicht weniger hoher Pass, der allerdings nur über eine zweispurige Strasse verfügt. Wir übernachteten im Wadi am Fusse des Berges und nahmen am Folgetag die Passstrasse unter die Räder. Langsam und gemächlich arbeitete sich der Frosch ohne Probleme auf 2000 Meter über Meer hoch.

Die Region um Ash Shafa und Taif ist bekannt für die Rosenwasserproduktion. Wir besuchten eine Produktionsstätte in den Bergen. Der sudanesische Angestellte erklärte uns, dass jeweils im Frühling die Produktion des Rosenwassers und Parfums stattfindet. Es werden Rosenblätter und Wasser erhitzt, obenauf bildet sich das Parfum und das Rosenwasser entsteht als Nebenprodukt. Entlang der Rosengärten gab es diverse Picknick Nischen, die gemietet werden können.

Wir fuhren nach der Rosenproduktionsstätte weiter nach Ash Shafa, einem Bergort, der sehr touristisch ist. Auf dem Weg dorthin hat uns ein freundlicher Saudi überholt und uns das Zeichen gegeben, dass er mit uns Tee trinken wolle. Eine solche Geste kam bereits öfters vor, aber er meinte es wirklich ernst. Er fuhr uns vor und blieb immer auf Sichtdistanz, bis wir im Dorf ankamen und er an einem Strassenstand anhielt. Wir hielten ebenfalls an und wechselten ein paar Worte. Anschliessend überhäufte er uns mit Geschenken – zuerst gab es frischen Tee vom Stand, dann grillierte Maiskolben, frische Früchte und schliesslich noch einen Blumenkranz. Am Schluss folgte das obligate Selfie und er verabschiedete sich. Als wir langsam weiter ins Dorf hinein fuhren, hielten wir nochmals kurz am Strassenrand an. Zu unserer Verwunderung kam der Saudi erneut vorbei, mit im Gepäck hatte er dieses Mal noch zwei Säcke mit Getränken sowie mit Gebäck mit Dattelfüllung. Diese Gastfreundschaft war unglaublich.

An der Westküste Saudi Arabiens sind an vielen Orten freilaufende Affen unterwegs. So waren auch in diesem Dorf überall Paviane, die sich von den Besuchern füttern liessen, obschon dies eigentlich unterlassen werden sollte. Am Rande des Dorfes entdeckten wir einen Campingplatz. Üblicherweise sind in Googlemaps markierte Campingplätze in Saudi Arabien einfache Wiesen, die über keine Infrastruktur oder kein Management verfügen. Mit einem wunderbaren Blick auf die Berge genossen wir eine ruhige aber kühle Nacht.

Am nächsten Tag führte unser Weg durch die engen Strassen der umliegenden Dörfer zurück auf die Hauptstrasse, welche nach Taif führte. Taif liegt auf rund 1700 Metern über Meer. Das Klima ist optimal für die Landwirtschaft, entsprechend werden in Taif und Umgebung viele Zitrusfrüchte angebaut. Die Sehenswürdigkeiten der Stadt waren Paläste – die einen verlassen, die anderen noch bestehend und in ein Museum umfunktioniert. Leider war der Shubra-Palast, der früher die Sommerresidenz der Königsfamilie war und heute als Museum dient geschlossen. Wir blieben nicht lange in der Stadt und machten uns schon bald auf den Weg in Richtung Süden.

Die Fahrt von Taif nach Al Bahah führte rund 220 Kilometer auf dem Hochplateau Richtung Süden. Die Stadt verteilt sich in der hügeligen und gebirgigen Gegend auf rund 2000 Metern über Meer und gilt als Touristenzentrum für die Einwohner Saudi Arabiens. Im Sommer ist es in dieser Gegend von den Temperaturen her sehr angenehm und die Berge sowie die Wälder begeistern die Leute. Wir fuhren zum Raghadan Forest Park um dort die erste Nacht in Al Bahah zu verbringen. Draussen wurde es kühl und wir verfolgten im geheizten Frosch den Schweizer WM Match. Als dieser zu Ende war, vernahmen wir Hupgeräusche ausserhalb des Frosches. Wir schauten zum Fenster hinaus und sahen einen Zivilwagen mit zwei Männern, die sich als Polizisten ausgaben. Sie trugen keine Uniform und auf die Nachfrage, ob sie wirklich Polizisten seien, zeigten sie uns ein Funkgerät. Sie fragten nach unseren Pässen worauf wir ihnen die Kopien aushändigten. Die Originaldokumente wollten wir Ihnen nicht geben und auf die Frage, ob sie in den Camper kommen könnten, antwortete Manuela, sie sei im Pyjama, was die Beamten dann zur Kenntnis nahmen und weiterhin über das Fenster mit uns kommunizierten. Mit dem Funkgerät führten sie eine Überprüfung durch und bestätigten uns schliesslich, dass es in Ordnung sei, hier zu übernachten.

Am nächsten Tag fuhren wir vom Übernachtungsplatz den Berg hinauf und sahen beim Vorbeifahren, dass es im Park eine Wasserstelle gab bei der wir Frischwasser auffüllen konnten. Bereits während der Fahrt dorthin nahmen wir ein Auto wahr, welches uns folgte. Nachdem der Frosch mit Frischwasser betankt war, fuhren wir weiter und steuerten einen anderen Park mit Aussicht auf das Bergpanorama an. Der Wagen nahm wiederum die Verfolgung auf. Er tat dies so offensichtlich, dass jeder merken würde, dass er uns folgte, denn üblicherweise zögern die Saudis nicht mit Überholmanövern, wenn sich vor ihnen ein langsames Fahrzeug befindet. Dieser Wagen tat dies nicht und setzte dann zudem zu Wendemanövern an, als wir am Strassenrand anhielten und er uns überholen musste. Schliesslich stellten wir den Fahrer des Autos zur Rede. Dieser sprach nur Arabisch – doch die Sprachkenntnisse von Manuela und dazu die Zeichensprache machten ihm verständlich, dass wir nicht amüsiert waren, dass er uns verfolgte. Er behauptete dann auch, er sei von der Polizei und zeigte wiederum ein Funkgerät. Es gäbe in der Gegend Probleme mit der Mafia, weshalb er patrouillierte. Der Tankwart schien den Mann zu kennen und bestätigte seine Ausführungen, was unser Misstrauen aber nicht wirklich verringerte. Nach der Konfrontation liess er von der Verfolgung ab. Als wir beim Prince Sultan bin Salman Park ankamen, sprachen wir einen Polizisten im offiziellen Dienstfahrzeug auf die soeben gemachte Erfahrung an. Dieser konnte oder wollte uns aber nicht verstehen.

Überall im Park trieben Affenbanden wieder ihr Unwesen. Sie waren sehr geschickt beim Umwerfen und entleeren der Abfalleimer und wir konnten mehrere Male die Affen dabei beobachten, wie sie noch den letzten Schluck aus einem Take-away Kaffeebecher ausschlürften. Obwohl die Fütterung unterlassen werden sollte, amüsierten sich drei junge saudische Männer daran. Die Affen wurden dann allerdings ziemlich aggressiv, als sie realisierten, dass die Fütterung zu Ende war, obwohl es durchaus noch Leckereien auf der Picknickdecke hatte.

Die Übernachtung im Prince Sultan bin Salman Park war nicht erlaubt, weshalb wir nach einem gemütlichen Tag im Park die Weiterfahrt über eine spektakuläre Bergstrasse nach Thee Ain antraten. Thee Ain ist ein Dorf, das auf einem riesigen Felsen gebaut wurde und seit dem 8. Jahrhundert besteht. Die Häuser bestehen alle aus Stein und im modernen Visitor Center erfuhren wir einiges über die Lebensweise an diesem Ort. Wir durften auf dem Parkplatz des Visitor Centers übernachten und hatten eine ruhige, ungestörte Nacht.

Unser Tagesziel war der Jebel Shada – ein Naturschutzgebiet mit seltenen Pflanzen und vom aussterben bedrohten Tiere wie bspw. der arabische Leopard. Das Bergmassiv befindet sich auf 2200 Metern über Meer umgeben von einer fantastischen Natur mit vielen rundgeschliffenen Steinbrocken, die teilweise als Übernachtungsplatz angeboten wurden. Die Anfahrt war manchmal so steil, dass wir trotz der geteerten Strasse die Untersetzung und Differenzialsperren einsetzen mussten, um die Höhenmeter zu überwinden. Bei einem kleinen Dorf machten wir Halt und erkundeten dieses zu Fuss. Die Häuser der Einheimischen waren perfekt in die existierende Natur eingebettet.

Als wir noch ein wenig höher den Berg hinauffuhren, war dann an einem Punkt definitiv kein Weiterkommen mehr. Wir parkten unseren Frosch und wollten zu Fuss noch ein wenig weiter gehen, als wir von einem Einheimischen angesprochen wurden. Er war Kaffeebauer und bot uns an, uns mit seinem kleineren Fahrzeug die noch kommende Strecke bis zum Aussichtspunkt zu fahren. Er zeigte uns die Gegend und fragte uns, ob wir Interesse an einer Führung auf seiner Kaffeefarm hätten. Natürlich hatten wir! Er zeigte uns seine Plantage, erklärte uns wichtiges zum Kaffeeanbau, zur Förderung durch die saudische Regierung sowie zum Preis seines Spezialitätenkaffees (Verkaufspreis: 1 Kilo für CHF 250.-) und lud uns anschliessend in seinen Garten zu Tee, Kaffee und Kuchen ein. Im Gespräch mit ihm erfuhren wir, dass er insgesamt drei Jobs hatte: Kaffeebauer, Lehrer und Leiter einer Hilfsorganisation in seinem Dorf am Fusse des Jebel Shada. Der Kaffeebauer bestand darauf, dass wir auch das Abendessen bei ihm einnahmen. Es wurde Hühnchen mit Reis von den jemenitischen Angestellten serviert – im Inneren des Hauses, da in der Zwischenzeit ein Regenguss den Garten genässt hatte. Der Kaffeebauer erklärte uns, dass das Klima hier im Süden des Landes optimal für den Kaffeeanbau sei. Gesellschaftlich sei der Süden Saudi Arabiens aber eher konservativ geprägt (seine Schwester fuhr bspw. in der Stadt Auto – hier auf dem Land tat sie dies aufgrund der konservativen Haltung der Gesellschaft nicht, obwohl es Frauen mittlerweile erlaubt war). Nach einem wunderbaren und interessanten Nachmittag in bester Gesellschaft bedankten wir uns und begaben uns auf die Fahrt zurück ins Tal. Kurz nach dem Start gab uns ein PKW ein Zeichen anzuhalten. Als wir ins Gespräch mit den beiden Männern kamen, teilten sie uns mit, sie seien von der Geheimpolizei und wir sollen vor ihnen fahren. Die beiden Männer waren nicht uniformiert und sie fuhren wiederum einen Zivilwagen. Auf unser Nachfragen hin, zeigten sie uns wie bereits die anderen Polizisten ein kleines Funkgerät. Während der gesamten Fahrt den Berg hinunter, überholten uns die beiden Männer mit ihrem Wagen, um dann schliesslich in der nächsten Kurve zu warten und uns wieder vorbei zu lassen. Als wir im Tal angekommen waren, verfolgten sie uns weiter. Wir hielten an und stellten die beiden zur Rede und verlangten einen Ausweis sowie eine Erklärung, wieso sie uns verfolgten. Sie erläuterten uns, sie seien für die Sicherheit von Ausländern zuständig und wollten uns nur beschützen. Es zeigte sich schliesslich das gleiche Verhalten wie bereits zwei Tage vorher – nach der Konfrontation drehten sie ab und stoppten die Verfolgung. Diese Ereignisse liessen uns ein wenig beunruhigt zurück und wir einigten uns, bei nochmaligem Auftreten die offizielle Polizei zu rufen. Was uns noch abwarten liess, war das immer gleiche Verhalten und die ruhige Art sowie die anscheinende Kenntnis der Einheimischen (Tankwart, Ladenbesitzer) über diese Geheimpolizei. Glücklicherweise sollte es sich bei diesem Vorfall um den letzten dieser Art handeln.

Abha war die südlichste Stadt, die wir auf unserer Saudi Arabien Reise besuchen wollten, auch da das EDA (Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten) vom Besuch der weiteren Regionen im Süden aufgrund ihrer Nähe zu Jemen und dem existierenden Konflikt der beiden Ländern abriet. Abha liegt auf 2200 Metern über Meer und hat rund 200’000 Einwohner. Die Sehenswürdigkeiten waren alle bei einer Stadttour zu Fuss gut erreichbar und wir freuten uns über ein wenig Bewegung. Kurz nach dem Start unserer Citytour wurde Manuela, bekleidet mit langarm Pullover, Jeans und Turnschuhen von einer einheimischen Frau beschimpft. Wir verstanden nicht alles aber die Worte Islam und Abaya waren aussagekräftig. Wir hatten ja bereits erfahren, dass der Süden des Landes konservativer war als andere Gebiete, weshalb wohl noch nicht alle wussten oder akzeptieren wollten, dass Touristinnen seit 2019 keine Abaya mehr tragen müssen. Trotz des Vorfalls setzten wir unsere Tour fort und überwanden die Höhenmeter hoch hinauf zur Festung der Stadt. Von dort oben hatten wir einen wunderbaren Blick auf die Stadt, den gegenüberliegenden Green Mountain sowie das neue Quartier der High City. Nachdem wir von der Festung zu tiefergelegenen Gebieten der Stadt hinabstiegen, stärkten wir uns in einem lokalen Restaurant um schliesslich die nächsten Hügel zur High City unter die Füsse zu nehmen. Beim Nebelweg – dem Dabbab Walkway – wurde eine schöne Promenade mit verschiedenen Restaurants und Cafés gebaut, von der aus man einen tollen Blick auf die Bergstrasse, die von Abha ins Tal hinunter führt, hat. Wie bereits in anderen Regionen waren auch hier Affenbanden aktiv und nahmen sich, was sie in die Finger kriegen konnten. Unsere City Tour beendeten wir schliesslich in der High City, einem neu gebauten Quartier in der Stadt, das viele Restaurants, Cafés und Vergnügungsmöglichkeiten bot.

Am nächsten Tag fuhren wir nach Rijal Almaa, ein historisches Dorf, das früher ein wichtiger Ort auf der Handelsroute Jemen – Mekka war. Die Strecke führte uns zunächst nach Al Soudah, einem Bergort auf fast 3000 Metern über Meer, in dem Touristenresorts und Luftseilbahnen standen. Zu unserer Zeit war allerdings alles ausser Betrieb, es gab sehr viele Polizeipatrouillen und wie überall im Südwesten, viele Affen, die nur darauf warteten, etwas Essbares zu finden oder zu stehlen.

Von Al Soudah gibt es eine sehr steile Bergstrasse, die hinunter ins Tal und schliesslich nach Rijal Almaa führt. Lastwagen oder grössere Mobile dürfen diese Strecke nicht bergauf befahren und so war für uns klar, dass wir nach dem Besuch des Dorfes eine andere Route nehmen würden um wieder auf das Hochplateau zu gelangen.

Rijal Almaa ist ein kleiner Ort, in dem sich die für die Region typischen Steinhäuser befinden. Diese Häuser sind mehrstöckig (teilweise bis zu 8 Stockwerke hoch) und einige wurden für die Touristen renoviert. Der Ort ist über 900 Jahre alt. In einem der Häuser, die alle über farbige Fensterläden verfügen, war ein kleines Museum untergebracht, das Alltagsgegenstände aus früherer Zeit ausstellte.

Die Bergstrasse 209 sollte uns zurück auf das Hochplateau bringen, damit wir schliesslich unsere Route Richtung Riad fortsetzen konnten. Auf dieser Route waren sowohl Lastwagen als auch andere grössere Mobile zugelassen. Es hatte viel Verkehr und diverse Verkehrsteilnehmer waren nicht bereit, sich hinter langsam fahrenden Lastwagen oder Cars einzuordnen. Auf der zweispurigen Strasse mit Gegenverkehr wurde wie wild überholt und dies obwohl keine Sicht herrschte. Wir erlebten auf dieser Strecke die bisher schlimmsten Minuten im Verkehr auf unserer Reise und wussten nicht, ob wir durch die Kamikazeüberholmanöver noch abgeschossen würden, bevor wir den Berggipfel erreichten. Nach einem Fahrerwechsel und der Weiterfahrt erreichten wir schliesslich den Gipfel – glücklicherweise heil und ohne Schaden. Am Folgetag erlebten wir weitere haarsträubende Aktionen auf Saudis Strassen – ein SUV besetzt mit der gesamten Familie durfte doch tatsächlich durch den etwa 9 jährigen Sohn gesteuert werden. Der Vater sass auf dem Beifahrersitz während der Sohn auf eine mehrspurige Fahrbahn einbog. Ein solches Verhalten ist für uns absolut unverständlich und einfach nur gefährlich.

Während der nächsten Tage fuhren wir kontinuierlich Richtung Hauptstadt und verbrachten die Tage für uns – abgeschirmt von der lokalen Bevölkerung. Nach den Erlebnissen der letzten Tage (Verfolgung durch die Geheimpolizei, Beschimpfung in Abha sowie das halsbrecherische Verhalten der Verkehrsteilnehmer) brauchten wir eine Verschnaufpause.

Das Sightseeing in Riad holten wir Mitte Dezember nach. Das Wahrzeichen von Riad – der Kingdom Tower – war natürlich ein Muss auf unserer Stadttour. Unten im Tower ist ein Shoppingcenter sowie ein Hotel untergebracht. Mit einem Lift kann man bis nach ganz oben fahren und die Aussicht über die Stadt geniessen. Riad erfährt zurzeit ein riesiges Expansionsprogramm. Die Stadt soll einwohnermässig in den nächsten 10 Jahren verdoppelt werden (2022: 7.5 Millionen Einwohner) – entsprechend wird überall gebaut. Im Winter gibt es seit ein paar Jahren die Riad Season. Darunter fallen diverse Attraktionen die dazu führen sollen, dass die Saudis ihr Geld im eigenen Land ausgeben. Als wir in der Stadt waren, war der Boulevard als eine Attraktion der Riad Season geöffnet. Der Boulevard ist ähnlich wie der Europapark aber unseres Wissens nur temporär. Es gibt einen künstlich angelegten See um den diverse Länder angeordnet sind und eine Gondelbahnen kann als Fortbewegungsmittel genutzt werden. Im Park gibt es diverse länderspezifische Restaurants und Attraktionen.

Wir versuchten einen Tag später nochmals in die alte Hauptstadt, At-Turaif in Diriyya zu gelangen, da uns der Zutritt tags zuvor trotz gültigem Ticket und reservierter Tour aufgrund eines kurzfristigen VIP Events verwehrt wurde. Dieses Mal wurde uns Einlass gewährt und wir durften eine Führung durch die renovierte Lehmstadt geniessen. Eine junge Saudi Araberin erklärte uns die Geschichte ihres Landes, die für viele Einwohner selbst noch sehr neu war, da darüber bisher sehr wenig gelehrt und gesprochen wurde. Sie bestätigte was wir bereits vermuteten: Das Land, die Geschichte und die Sehenswürdigkeiten werden von den Einheimischen erst jetzt richtig entdeckt. In At-Turaif lebte die royale Familie, die den ersten saudischen Staat gründete. Der Salwa Palast war sowohl Wohn- als auch Regierungssitz von drei saudischen Regenten und wurde im 18. Jahrhundert gebaut. Seit 2010 ist At-Turaif UNESCO Weltkulturerbe aufgrund des grössten Lehmdistrikts in der Welt.

Riad ist eine sehr laute und schmutzige Stadt mit sehr viel Verkehr und einem ganz eigenem, für uns eher gefährlichen, Verkehrsverhalten. Aus diesem Grund verliessen wir die Stadt nach Besuch der wichtigsten Sehenswürdigkeiten wieder in Richtung Osten.

Zwischen Dammam und Riad gibt es einen riesigen Felsen in einer Wüste, der unser Ziel für die nächsten Tage war. An diesem Ort wollten wir ein wenig Ausspannen und diverse Sachen erledigen. Wir erreichten Judah Thumb bei Sonnenuntergang und freuten uns auf ein paar ruhige Tage, an denen keine Weiterfahrt geplant war.

Einige Einheimische sowie auch andere Reisende hatten uns vom King Abdulaziz Camel Festival erzählt. Dies ist das grösste Kamelfestival in Saudi Arabien, bei dem auch andere Länder teilnehmen und das rund einen Monat dauert. Wir wollten uns dieses Festival unbedingt anschauen und legten dort einen Stopp ein auf dem Weg zurück nach Riad. Mehrere Strassen bogen von der Hauptstrasse ab mit Wegweisern zum Camel Festival. Das Gelände war riesig und wir wussten nicht, welches der richtige Eingang war. Als wir vor dem falschen Eingang standen wurden wir freundlich auf die Seite gewunken und es wurde uns mitgeteilt, dass ein Angestellter des Festivals uns bis zum richtigen Eingang vorfahren würde. Wir folgten dem Auto und schon bald fanden wir uns im offiziellen Medienzentrum des Festivals wieder und wurden dem Medienchef vorgestellt. Sie luden uns am Folgetag auf das Gelände ein. In Begleitung des Medienchefs konnten wir sowohl die Kamelrennen als auch die anderen Attraktionen sehen. Der „Preis“ für diesen VIP-Tag sei, dass sie uns mit der Kamera begleiten dürfen und wir am Abend ein Interview geben sollten. In der Zwischenzeit waren wir 6 Reisende aus Europa und vereinbarten den Treffpunkt am Folgetag für dieses Spezialprogramm. Das Kamelfestival hatte bisher nur wenige europäische Touristen, weshalb wir wohl diese spontane Einladung erhielten.

Am nächsten Tag ging es mit der saudischen Gemütlichkeit und mit einer Stunde Verspätung zuerst einmal zum Kaffeestand und dann endlich zur Kamelrennbahn. Wir durften uns überall auf dem Gelände bewegen: im Warteraum vor dem Start, beim Besprayen der Tiere mit ihren Startnummern, beim Start und an der Rennbahn. Entlang der Rennbahn fuhren die Halter der Tiere in Autos und steuerten so die Roboterjockeys auf dem Rücken der Kamele. Ein einmaliges und sehr tolles Erlebnis.

Anschliessend ging es zurück auf das Festgelände. In der Arena lief bereits eine Schönheitswahl und das Gastland Oman zeigte eine Performance mit Tanz und Musik. Nach einem gemeinsamen Mittagessen durften wir die Kulturbereiche des Festivals besuchen. Einerseits wurde dort über aktuelle Sehenswürdigkeiten im Land, andererseits über diverse kulturelle Güter berichtet. Ebenfalls zu sehen war das ausgestopfte, teuerste Kamel, das es je an diesem Festival gab (Foto siehe unten). Der Preis für dieses Kamel war umgerechnet: 7.5 Millionen USD! Im Aussenbereich wurden wir dann im traditionellen Beduinenzelt über die Herstellung von Kamelwolle informiert und die Frauen in der Gruppe erhielten eine Hennabemalung. Schliesslich klang unser Abend beim Public Viewing des Finalspiels der Fussball-WM in Katar aus – dick eingepackt, denn es war ziemlich kühl in der Wüste.

Frühmorgens fuhren wir dann nach Riad um unseren Frosch bei der Werkstatt abzugeben und anschliessend ins Hotel zu fahren. Wir freuten uns sehr die Festtage in der Schweiz zu verbringen und unsere Lieben zu Hause zu überraschen.

Unsere bisherigen Eindrücke: Chaotischer Verkehr, wunderschönes Land, schönste Handyantennen (oft verkleidet als riesige Palme), viele Tankstellen die nicht mehr in Betrieb sind, die Wüste „frisst“ Gebäude, viel Müll überall, Saudis machen direkt Videos für Social Media, keine Wahrung der Privatsphäre, viele beschädigte Autos (kein Wunder bei der Fahrweise), viele Lastwagen die Wasser transportieren.

Unsere Route in Saudi Arabien

Unsere bisherige Reiseroute

4 Kommentare zu „Saudi Arabien – der Süden

  1. Isch wiedermol sehr interessant gsi üche Bricht zläse, was Ihr do alles chönd erläbe und gseh isch scho sehr idrücklich.
    Isch jo de wahnsinn wie Ihr teilweise beschänkt wärdet ,aber au leider beschimpft 🙈
    Anderi Länder andere Sitten 😉
    Wo sind Ihr jetzt unterwägs?
    Mir wünsched üch no wieterhin Gueti Fahrt und viele schöni Erläbniss

    Liebi grüess Dani & Bettina

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  2. Hey mega interessant zu lesen. Da ich das mir glaub nie trauen würde, reise ich gerne in meiner Phantasie mit euch mit…danke und hends guet👍🍀

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  3. Hoi zämä
    Öi Reisebricht si eifach super spannend und unterhaltsam! Me erlebts mit und cha sech viles vorstelle, obwohl me gar nid dört isch.
    Hebets no guet!

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