Der Grenzübertritt von Saudi Arabien nach Jordanien Anfang Februar verlief unspektakulär. Obwohl es auch wieder zu Wartezeiten kam – wir waren natürlich wieder einmal bei Schichtwechsel vor Ort – gab es einen klaren Ablauf mit konkreten Informationen der Grenzbeamten. Jordanien ist touristisch weiter entwickelt als Saudi Arabien und bietet den Jordan Pass an. Dieser gewährt Eintritt in die wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Landes und deckt zudem die Visagebühr ab. Wir hatten uns den Jordan Pass online gekauft – bei der Einreise wurde dieser allerdings von den Grenzbeamten nicht verlangt – was uns dann schliesslich bei der Ausreise noch einholen sollte.
Obwohl Jordanien ein muslimisches Land ist, ist es bei einigen Aspekten der Lebensweise eher liberal. Es wird bspw. toleriert, dass Touristen alkoholische Getränke konsumieren, welche in Liquor-Stores gekauft werden können. Weiter hörten wir auf den Strassen von Akaba, unserer ersten Stadt in Jordanien, wieder Musik, was uns direkt das Gefühl einer lebendigen und pulsierenden Stadt bereitete.

Im Norden von Saudi Arabien fiel unsere definitive Entscheidung, die Reise nicht wie ursprünglich geplant in Afrika weiterzuführen, sondern wieder nach Europa zu reisen. Diese Entscheidung fiel nach reichlichen Überlegungen und natürlich unter Berücksichtigung diverser Aspekte (z.B. geänderte gesetzliche Einreisevorschriften in Äthiopien, Gefährdungslage im Sudan, Möglichkeiten und Kosten der Verschiffung nach Afrika etc.). Wir entschlossen uns daher, von Saudi Arabien nach Norden zu fahren, Jordanien zu bereisen und schliesslich von Israel nach Griechenland zu verschiffen. Jordanien ist ein wenig mehr als doppelt so gross wie die Schweiz. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten lagen somit nicht tausende von Kilometern auseinander, was uns erlaubte, zeitnah die Fähre nach Europa zu nehmen.
Rund eine Stunde nördlich der Stadt Akaba liegt das UNESCO Welterbe Wadi Rum, Jordaniens bekannte und wundervolle Wüste, die natürlich auf unserem Reiseplan stand. Bereits am Eingang zeigte sich, dass die touristische Entwicklung in diesem Land fortgeschritten war. Entgegen zur Hisma Wüste in Saudi Arabien, wurden hier Jeep Touren und Transfers zu den Unterkünften in der Wüste angeboten, damit alle Touristen sich das Naturhighlight anschauen konnten. Für uns war der rege Fahrzeugverkehr in der Wüste zunächst gewöhnungsbedürftig, fanden wir noch wenige Wochen zuvor eine landschaftlich ähnliche Gegend vor, die aber über keine touristische Infrastruktur verfügte – noch nicht.









Das Wadi Rum wird auch die Wüste der Berge genannt, da sie von Bergen aus Sandstein und Granit umgeben ist. In diesem 720 Quadratkilometer grossen Gebiet finden sich auch zahlreiche antike Steininschriften. Wir verbrachten eine Nacht in der Wüste von Wadi Rum, bevor wir uns weiter Richtung Norden bewegten.
Unser nächstes Ziel war Petra. Die Stadt Petra war die Hauptstadt der Nabatäer und hatte ihre Blütezeit um Christi Geburt, bis schliesslich ein Erdbeben im 4. Jahrhundert nach Christus einen Grossteil der Stadt zerstörte. Petra lag auf der Handelsroute für Weihrauch, Myrrhe und anderen Gewürzen und verfügt sowohl über diverse riesige Felsengräber, über ein Theater, verschiedene Tempel, Säulenstrassen wie auch über eine Kirche, ein Kloster und einen Opferplatz auf den Hügeln sowie über das bekannteste Bauwerk, das Schatzhaus. Die Fassade des Schatzhauses, welches im 1. Jahrhundert v. Chr. erbaut wurde, ist fast 40 Meter hoch und reich an Dekorationen. Um zu diesen Bauwerken zu gelangen, muss zunächst eine mehr als ein Kilometer lange natürliche Schlucht passiert werden, an dessen Wänden die Infrastruktur für die Wasserführung sowie diverse Relikte bestaunt werden können. Diese Schlucht, genannt Siq, wie auch das Schatzhaus waren Schauplätze des Filmes „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“.







Die Türöffnung zur UNESCO Welterbestätte Petra, eines der antiken sieben Weltwundern, erfolgte um 6.30 Uhr. Wir betraten die Stätte um 7 Uhr morgens und waren zusammen mit nur wenigen anderen Touristen unterwegs in der Schlucht, auf dem Weg in die antike Stadt. Wir entschieden uns für die Besichtigung zu Fuss und legten an diesem Tag rund etwa 20 Kilometer zurück, um die verschiedenen Sehenswürdigkeiten in der Stadt zu besuchen. Die Grösse dieser Stadt sowie die schönen und detailliert ausgearbeiteten Bauten beeindruckten uns enorm. Nebst dem Schatzhaus imponierte uns das Kloster am meisten. Den rund 2.5 Kilometer langen, steilen Weg hinauf zum Kloster lohnte sich allemal, um schliesslich vor dem 48 Meter hohen und 47 Meter breiten Bauwerk zu stehen oder dieses von den gegenüberliegenden Felsen zu bestaunen. Als wir uns auf den Rückweg machten und erneut beim Schatzhaus vorbeikamen, waren wir froh, dass wir dieses am Morgen in Ruhe, ohne die Touristenmassen besucht hatten.
Von anderen Reisenden wurde uns das Wadi Ghuwair empfohlen, welches tolle Möglichkeiten für Wanderungen bietet. Während unserer Wanderung durch die Schlucht begegneten wir einem Ziegenhirten und fanden eindrucksvolle Felsstrukturen vor.



Unser Weg führte uns weiter an das Tote Meer. Entlang von Tomatenplantagen fuhren wir auf rund 400 Meter unter Meer (richtig gelesen – die Region liegt unterhalb des Meeresspiegels) an einen Platz, um selbst die Erfahrung eines Bades in diesem salzhaltigen See zu machen. Bei warmen Temperaturen stiegen wir ins Wasser und genossen das Gefühl der Schwerelosigkeit. Schwimmen oder sich kontrolliert zu bewegen ist nicht möglich und vor den scharfen, weissen Salzablagerungen am Ufer sollte man sich aufgrund der Verletzungsgefahr in Acht nehmen. Nebst den scharfkantigen Ablagerungen ist beim Badevergnügen auch Vorsicht geboten: Bleibt man zu lange im Wasser oder verschluckt sich mit Meereswasser, kann dies gesundheitsschädigend bis sogar tödlich sein. Zahlreiche Schilder am Strassenrand weisen auf diese Gefahr hin.

Auf dem Weg in die Hauptstadt machten wir Halt am Berg Nebo. Dieser rund 800 Meter hohe Berg bietet Sicht auf das Jordantal, Israel und Palästina und ist eine bedeutende religiöse Stätte. Der Berg Nebo wird im alten Testament im Zusammenhang mit Moses erwähnt. Von diesem Berg aus habe Moses das gelobte Land gesehen, musste aber sterben bevor er es betreten konnte.




Die Hauptstadt Amman zählt rund 4.5 Millionen Einwohner und ist von Bergen umgeben. Diverse Strassencafés und mit riesigen Kunstwerken dekorierte Gebäude finden sich in der sonst eher lärmdurchfluteten Stadt. Als Hauptsehenswürdigkeiten gelten antike römische Bauwerke, wie das Theater oder die Zitadelle mit den Säulen des römischen Herkulestempels, die sich im Zentrum befinden und sich nahtlos in das Stadtbild einfügen.





Nach einem Tag in der Hauptstadt zog es uns weiter nach Gerasa, einem Ort der rund 40 Kilometer nördlich von Amman liegt und auch unter dem Namen Pompeji des Ostens bekannt ist, da in Gerasa sehr gut erhaltene römische Ruinen vorhanden sind. Die bekanntesten Bauten sind der Hadriansbogen sowie das ovale Forum, das von Säulen umgeben ist. Weiter gibt es verschiedene Theater, Tempelbauten, Säulenstrassen etc. auf dem Gelände. Im Museum erhielten wir Erläuterungen zu einer der ältesten Maschinen der Welt – einer wasserbetriebenen Sägemühle. Diese wurde im 6. Jahrhundert in Gerasa entwickelt und zum Bau dieser Stadt eingesetzt.






Als letzte Station unserer Jordanienreise stand die Burg in Ajloun auf dem Programm. Während die Ortschaft im Talkessel liegt, befindet sich die historische Burg auf dem Hügel und bietet einen tollen Blick auf die Umgebung. Die Burg ist ein Beispiel islamischer Militärarchitektur und wurde 1183 erbaut. Der Zweck damals war der Schutz gegen die Kreuzfahrer.





Nach elf Tagen verliessen wir Jordanien in Richtung Israel. Die Grösse des Landes und die entsprechend kurzen Distanzen erlaubten uns in dieser Zeit die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zu besuchen. Ein muslimisches aber entsprechend liberales Land bei dem die Armut bei Überlandfahrten gut sichtbar ist. Als wir das Land verliessen, stellten wir uns auf eine unkomplizierte Ausreise ein – die dann doch noch ein paar Stolpersteine bereit hielt. So verlangten die Grenzbeamten doch tatsächlich nochmals die Visagebühr von uns, obwohl wir im Besitz des touristischen Jordan Pass waren. Dabei teilten sie uns mit, dass der Jordan Pass nicht validiert sei (obwohl wir diesen an etlichen Sehenswürdigkeiten scannen liessen). Unser Intervenieren führte schliesslich dazu, dass wir beim Chef des Grenzpostens vorsprechen konnten und schliesslich die Ausreise ohne zusätzliche Gebühren nach einer Stunde genehmigt wurde.
Unsere Eindrücke: Liberal geprägtes muslimisches Land, aufgrund der fehlenden Bodenschätze sichtbare Armut, Tourismus ist eine der wichtigsten Einkommensquellen, dies ist auch an den unzähligen Souvenirständen in Petra ersichtlich, jordanische Beduinen im Wadi Rum sowie Petra sind geschminkt wie Jack Sparrow, Hinterlassenschaften des römischen Reiches.

Unsere bisherige Reiseroute
