Italien

Anfang März sind wir via Griechenland mit der Fähre in Brindisi angekommen. Die Fährüberfahrt von Igoumenitsa nach Brindisi verlief ruhig und wir konnten den Tag auf der fast leeren Fähre mit spannenden Lektüren verbringen. Als wir abends in Brindisi ankamen, zog es uns fast magisch in die nächste echte italienische Pizzeria. Wir genossen das leckere Essen in der traditionellen Gaststätte, welche von Einheimischen bis auf den letzten Platz gefüllt war.

Am nächsten Tag erkundeten wir Brindisi. Eine Stadt, die aufgrund ihrer strategisch optimalen Position und ihres natürlichen Hafens bereits lange eine wichtige Rolle im Handel spielt. Die aktuell wichtigsten Handelsrouten führen von Brindisi nach Griechenland oder auch in den Mittleren Osten.

Unser nächstes Ziel war die Stadt Gallipoli an der Westküste Apuliens, deren Name auf den griechischen Gründer zurückgeht und übersetzt „schöne Stadt“ heisst. Die Altstadt liegt auf einer Felseninsel, welche mit einer Brücke mit der Neustadt auf dem Festland verbunden ist. Wir schlenderten durch die zahllosen engen Gassen der Altstadt und deckten uns mit Taralli, der ringförmigen Spezialität aus Apulien, ein. Diese gibt es als süssen oder salzigen Snack zu kaufen.

Weiter führte unser Weg an den südlichsten Punkt des italienischen Festlandes. Auf dem Weg nach Santa Maria de Leuca fuhren wir der wunderschönen Küste entlang, blickten in das tiefblaue Wasser des Meeres und sahen diverse Höhlen, die sich an der schroffen Küste gebildet hatten. In der kleinen Ortschaft liegt die Punta Ristola, das Kap, welches den südlichsten Punkt markiert. An dieser Stelle treffen das Ionische Meer sowie das Adriatische Meer aufeinander. Am östlichen Ende des Ortes kann man den grössten Aquädukt Europas anschauen – den Aquedotto pugliese, der grosse Teile Apuliens versorgt.

Wir genossen die Zeit am südlichsten Zipfel bei köstlichem italienischem Cappuccino, Espresso und Gelati bevor wir am nächsten Tag nach Otranto weiterreisten. Otranto gilt als östlichste Stadt Italiens. Albanien erreicht man über die sogenannte „Strasse von Otranto“ in nur rund 80 Kilometern. Die Stadt bietet Einheimischen wie Touristen eine wunderschöne Altstadt sowie türkisfarbenes Meer, umgeben von einer Landschaft aus Olivenhainen und Zitrusbäumen.

Nach den bisher kleineren Ortschaften in Salento, freuten wir uns auf das Florenz des Südens – die Stadt Lecce. Die Stadt mit rund 100’000 Einwohnern ist bekannt für seine weissen Barockgebäude, die aus Steinen der Umgebung erstellt wurden.

Anschliessend fuhren wir unser nächstes Reiseziel Alberobello an. Dort wollten wir die Hauptattraktion – die Trulli – UNESCO Welterbe seit 1996 – anschauen. Die Trulli sind kleine Rundhäuser, die meist weiss gestrichen sind und deren Dach aus aufgeschichteten Steinen besteht. In der Region sieht man diese Rundhäuser oft – in Alberobello gibt es ganze Stadtteile, die aus den Trulli bestehen und als Wohnhaus, Gasthaus, Laden oder Hotel genutzt werden.

Nach dem Besuch der Trulli trennten sich die Wege von Manuela und Stefan für kurze Zeit. Während Manuela mit dem Frosch einen Camping ansteuerte, reiste Stefan in die Schweiz zurück.

Schöne und ruhige Tage mit täglichen Strandspaziergängen und intensiver Italienischpraxis genoss Manuela auf dem Camping in Manfredonia bevor schliesslich die gemeinsame Reise durch Italien nach den Osterfeiertagen weiterging.

Unser nächstes Ziel war Pompei an der Westküste von Italien. Auf dem Weg dorthin durften wir eine Nacht bei einer Kollegin auf dem Privatanwesen stehen und die authentische italienische Gastfreundschaft inkl. seiner kulinarischen Aspekte und die gemütliche Gesellschaft geniessen. Am Folgetag erreichten wir um die Mittagszeit Pompei und steuerten direkt einen Camping in der Nähe des Eingangs zur archäologischen Stätte an. Wir gewöhnten uns langsam an die neue Art zu reisen – mit Übernachtungen auf Campingplätzen – denn wildcampen ist in Italien offiziell verboten. Schönes Frühlingswetter herrschte und wir machten uns mit den Velos auf nach Ercolano. Ercolano ist die Stadt westlich des Vesuvs, die ebenfalls im Jahre 79 n. Chr. vom Vulkanausbruch zerstört wurde und auch zum UNESCO Welterbe zählt. Als wir den Campingplatz verliessen, strömten Menschenmassen durch die Strassen. Die Nachosterwoche trug sicherlich zur höheren Besucherzahl bei, weshalb leider ein Besuch des Kraters des Vesuvs nicht möglich war, da alle Tickets bis in der kommenden Woche ausverkauft waren.

Die Fahrt mit den Fahrrädern war ziemlich kriminell und wir waren froh, als wir heil in Ercolano ankamen. An den italienischen Fahrstil hatten wir uns im Frosch bereits gewöhnt – aber noch nicht als Radfahrer. Auf dem Weg von Pompei nach Ercolano fiel uns auf, dass es in dieser Gegend an jeder Ecke eine Metzgerei oder Wursterei gab. Zudem waren die Wohnblöcke wie auch die Strassen oftmals in den Farben bzw. mit den Flaggen des Fussballclubs von Napoli geschmückt.

Frühmorgens am nächsten Tag standen wir vor den Toren der archäologischen Stätte von Pompei. Die archäologische Stätte erstreckt sich über knapp 100 Hektaren und ein Viertel sei noch immer nicht ausgegraben. Mehr als 1500 Jahre lang lag die Stadt unter einer rund 25 Meter dicken Asche- und Bimsschicht, bevor Ausgrabungen gestartet wurden. Wir verbrachten einen ganzen Tag in der Stätte und waren tief beeindruckt davon. Die Stadt wurde durch die Asche gut konserviert und zeigt ein eindrückliches Bild der Wohn- wie auch Geschäftsgebäude. An diversen Ecken sind antike „Take-aways“ vorhanden. Verkaufstresen aus Stein mit Einlassungen für Tontöpfe, bei denen warmes Essen verkauft wurden. Bei der Markthalle kann ein Eichtisch für Hohlmasse aus Stein begutachtet werden und in den Wohnhäusern sind die Wandfresken oder die wunderschönen Mosaike teilweise noch komplett erhalten. Besonders eindrücklich geben, die mit Gips ausgefüllten Hohlräume der Opfer, die Tragödie, die sich an diesem Ort ereignet hatte, wieder.

Aufgrund der schlechten Wetterprognose fuhren wir anschliessend auf direktem Weg in die Toskana. Die Rapolano Thermen waren unser erster Übernachtungsort. Die Therme bietet einen Wohnmobilstellplatz an und der Tageseintritt der Therme erlaubt mehrmalige Eintritte bis um Mitternacht.

Nach zwei Tagen fuhren wir dann schliesslich weiter in die schöne Stadt Siena, wo wir frühmorgens unsere Stadttour begannen. Wir waren so früh da, dass die vielen Restaurants auf dem Piazza del Campo noch in den Öffnungsvorbereitungen standen und diverse Museen und Sehenswürdigkeiten noch geschlossen waren. Die Stadt mit ihren vielen steilen Passagen, die teilweise durch Rolltreppen überwunden werden können, hat uns sehr gut gefallen.

Auf dem Weg von Siena nach San Gimignano durchfuhren wir die wunderschöne toskanischen Landschaft. Sanfte Hügel mit toskanischen Zedern zogen an uns vorbei. Als wir im mittelalterlichen Manhatten, wie San Gimignano aufgrund seiner Vielzahl an Geschlechtertürmen auch genannt wird, ankamen, suchten wir uns etwas ausserhalb einen Parkplatz für den Frosch. Wir schlenderten durch den kleinen Ort, dessen Stadtkern auch UNESCO Welterbe ist. Mit den Geschlechtertürmen versuchten sich im Mittelalter die verschiedenen Familien gegenseitig in der Höhe zu übertreffen. Aktuell existieren in San Gimignano von den ursprünglich 75 Türmen noch deren 15.

Unsere Reise führte uns schliesslich Mitte April an die ligurische Riviera nach la Spezia. Von dort aus wollten wir uns die Cinque Terre anschauen. Wir tauschten den Frosch gegen eine Miet-Vespa und erkundeten den Nationalpark sowie die fünf farbenreichen Dörfer auf zwei Rädern. Die Dörfer können auch mit dem Zug besucht werden – die Bahnhöfe sind jeweils mitten im Zentrum der kleinen Orte. Mit der Vespa konnten wir nicht nur die Gegend auf eine individuelle Art erkunden, sondern auch den Touristenmassen, die sich in den verschiedenen Ortschaften tummelten, ein wenig entfliehen.

Unser nächstes Ziel war das Piemont. Wir hatten uns einen Stellplatz auf einem Weingut reserviert und freuten uns, die Gegend zu erkunden und mehr über die Weinproduktion in der Region zu erfahren. Nebst der Weinproduktion werden auch die weltbesten Haselnüsse im Piemont produziert. Diese werden u.a. für die Produkte des Ferrero Konzerns, der in Alba beheimatet ist, verwendet. Die aussergewöhnlichen Landschaften und die Weinanbaugebiete in Langhe, Monferrato und Roero gelten als UNESCO Welterbe.

Unsere letzte Destination in Italien war Turin, die ehemalige Hauptstadt Italiens und viertgrösste Stadt im Land. Typisch für die Stadt ist das rechtwinklige Strassensystem der Altstadt sowie die langen Arkadengänge. Nach dem Besuch der Sehenswürdigkeiten, hatten wir eine ruhige Nacht auf dem Stellplatz in Turin.

Nach rund einem Monat verliessen wir Italien Ende April. Wir haben viele schöne Orte gesehen und einige neue Ziele auf unserer Bucketlist aufgenommen – allerdings werden wir diese wohl eher auf eine andere Art als mit dem Frosch bereisen. Als wir schliesslich nach 460 Tagen und mehr als 45’000 Kilometern wieder gesund und wohlbehalten zusammen mit unserem Frosch die Schweizer Grenze passierten, war dies für uns ein sehr spezieller Moment.

Unsere Eindrücke: Chic gekleidete Menschen, enge Gassen, fantastisches Essen, offener Strassenstrich an Landstrassen, oft viel Müll bei SOS Ausbuchtungen.

Unsere bisherige Reiseroute

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